Münster - "Entweder es regnet oder die Glocken läuten..."
...wenn beides zutrifft, ist Sonntag!". Vermutlich war es einer der unzähligen Münsteraner Radfahrer, der während einer regnerischen Fahrt auf der Promenade diese beliebte Charakterisierung der Westfälischen Metropole ersann. Tatsächlich findet sich jedoch im Münsterland die zweitniedrigste Niederschlagsrate Nordrhein-Westfalens, nur im Aachener Raum regnet es noch weniger.

 

Überhaupt halten sich viele Vorurteile über die mehr als 1200 Jahre alte Domstadt hartnäckig. Stellten sich die Einwohner Münsters den Gesandten bei der Unterzeichnung des Westfälischen Friedens im Jahre 1648 noch als verschlossene und sture Zeitgenossen dar, deren Hauptinteresse sich auf Bier und Pumpernickel beschränkte, sorgen heute die 55.000 Studierenden der drittgrößten Universität Deutschlands für frischen Wind. In keiner anderen deutschen Stadt finden sich so viele Akademiker wie unter den 270.000 Einwohnern Münsters.

In der alten Hansestadt fühlen sich aber offenbar auch Kunst und Kultur zuhause. Das Westfälische Landesmuseum für Kunst- und Kulturgeschichte, das Stadtmuseum in den Räumen eines großen alten Kaufhauses, der historische Mühlenhof am Ufer des schönen Aasees, das moderne Stadttheater, der Botanische Garten aus dem Jahr 1803 mit seinen vielen Gewächshäusern oder der große Allwetterzoo sind nur eine kleine Auswahl der Möglichkeiten die sich einem bieten, wenn es denn doch mal regnen sollte. Seit 1977 finden alle 10 Jahre die spektakulären Skulpturenausstellungen im öffentlichen Raum statt, an denen sich international renommierte Künstler wie Henry Moore, Josef Albers, Keith Haring, Claes Oldenburg oder Nam June Paik beteiligt haben.

Aber es wird auch gerne gefeiert in Münster. Dreimal im Jahr findet die große Kirmes – in Münster "Send" genannt - vor dem historischen fürstbischöflichen Schloss statt und während der närrischen Zeit steht die Stadt den bekannten Hochburgen des Karnevals in nichts nach. In der Weihnachtszeit ist der über die gesamte Innenstadt rund um den Prinzipalmarkt verteilte Weihnachtsmarkt Anziehungspunkt für Besucher aus ganz Deutschland und den benachbarten Niederlanden, die sich bei Punsch und Glühwein aufwärmen. Im Jahr 1895 kam es in Münster einst zum legendären "Bierkrieg", als man den Bürgern per preußischer Verordnung das Biertrinken verbieten wollte.

Sollte einem nach der vielen Kultur (oder den vielen Festen und Feiern...) der Sinn nach Stille und Natur stehen, bietet das 6500 km2 große Münsterland reichhaltige Möglichkeiten der Entspannung. Über 200 Wasserburgen und –schlösser, darunter die durch die Schriftstellerin Annette von Droste-Hülshoff bekannten Haus Rüschhaus und Haus Hülshoff oder das "Versailles Westfalens", Schloss Nordkirchen, sind beliebte Ausflugsziele. Besonders auf dem Sattel der "Leeze", wie das Fahrrad in Münster genannt wird, erschließt sich einem schnell die Schönheit der von Hecken, Feldern und kleinen Wäldchen geprägten Parklandschaft. Rund 8000 km gut ausgebauter "Pättkes", so heißen hier die vielen kleinen Feld- und Waldwege, führen durch die abwechslungsreiche, von der Landwirtschaft geprägte Landschaft. Nicht ohne Grund stammt der Erfinder des Begriffes "Fahrrad" aus dem münsterländischen Örtchen Bocholt.

Auch die Tierwelt fühlt sich wohl im Münsterland. So liegt direkt vor den Toren der Stadt das international anerkannte Europareservat "Rieselfelder", seit 1983 geschützt durch eine entsprechende UN-Konvention. Die Wasserflächen sind jährlicher Zwischenstopp für unzählige Wat- und Wasservögel auf ihrem Weg in den Süden oder zurück in die Winterquartiere. Mehr als 100 unterschiedliche Arten brüten im Bereich der Rieselfelder, viele der Vogelarten sind vom Aussterben bedroht. Die Orte Sudmühle und Warendorf sind untrennbar mit dem Pferdesport in Deutschland verknüpft, im Merfelder Bruch nahe der Stadt Dülmen gibt es sogar eine der letzten Herden wilder Pferde in Europa.

Wem das Fahrrad oder das Pferd nicht genügt, kann es ja mal mit einer Ballonfahrt versuchen. Die Hälfte aller Heißluftballons Deutschlands finden sich im Münsterland. Wer noch höher hinaus will, dem dient der nahe Flughafen Münster-Osnabrück (FMO) als Drehscheibe zur Welt.

Münster ist gleichzeitig traditionsreiche wie moderne Stadt im Herzen Westfalens, von der Theodor Heuss sogar sagte, dass es "die schönste von allen" sei.

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Diese Seite wurde zuletzt aktualisiert
am 06.10.2009