"100 Jahre Raphaelsklinik"

[11.07.2008]

Ich bringe einen Blumenstrauß. Zum einen soll er ein Zeichen des Dankes an alle Mitschwestern sein. Zum anderen soll er in seiner Farbenfülle uns Zeichen sein von der Güte und Freude des Lebens. Allem Leid und allen Nöten begegnen wir in dem Vertrauen, dass das Ja Gottes zu uns Menschen uns letztlich zum wahren Leben befreit.“ Mit diesen Worten eröffnete Oberin Sr. Reginfrieda die Gabenprozession während des Dankgottesdienstes anlässlich des 100-jährigen Bestehens der Raphaelsklinik. Am 10. Juli 1908 öffnete das Haus seine Pforten. Auf den Tag genau einhundert Jahre später hielten wir inne, um dankbar Rückblick zu halten und ebenso Ausblick.

100 Jahre Raphaelsklinik. Der Initiative der Klemensschwestern verdankt unser Haus seine Entstehung. Dem unermüdlichen und selbstlosen Einsatz ungezählter Ordensfrauen ist es zu danken, dass unser Haus in Münster und weit darüber hinaus all die Jahre seinen guten Ruf aufbauen und erhalten konnte. Doch nicht sie allein stehen für dieses Haus. Es lebt heute inzwischen vom Zusammenspiel vieler Berufsgruppen. Eindrucksvoll bezeugte die Gabenprozession die Kontinuität und den Wandel unserer Klinik und die Vielzahl der Professionen, die sich segensreich einbringen. Stellvertretend für alle Ärzte brachte der Chefarzt der Radiologie, Dr. Rolf Cromme, eine CD mit Röntgen-Aufnahmen zum Altar.
Monika Bauland, eine Mitarbeiterin der Station 1B: „Ich bringe eine Patientenakte. Hinter all den Anamneseaufzeichnungen, Befunden, Labordaten sowie dokumentierten ärztlichen und pflegerischen Maßnahmen bemühen wir uns, den ganzen Menschen in seiner Individualität und Einmaligkeit wie in seiner ganz persönlichen Betroffenheit zu sehen“.
Sogar der jüngste Qualitätsbericht fand den Weg zum Altar, neben einer Nierenschale, einem Taschenrechner, einem großen Schlüssel und selbstverständlich Brot und Wein zur Feier des zentralen Glaubensinhalts: Gott ist bei uns, gerade da, wo es um den kranken Menschen geht.
Mit der Todesanzeige des zuletzt verstorbenen Mitarbeiters wurde aller Verstorbenen unseres Haus in den vergangenen 100 Jahren gedacht. Auf den Altar gelegt wurde sie zur Bitte, dass Gott sich als der Garant des Lebens an Ihnen erweise.
Leider spielte das Wetter nicht in dem gewünschten Maße mit. Geplant war, den Gottesdienst im Innenhof, dem so genannten Patientengarten, abzuhalten. Doch der dunkle Himmel ließ es angeraten erscheinen, in die Kirche des Mutterhauses der Clemensschwestern auszuweichen.

Unmittelbar nach dem Gottesdienst, - noch in der Kirche - stellte Frau Klaudia Oehlmann den neuen „Klinikpfad“ vor. Er wurde eigens für die Feierlichkeiten des Jubiläums erstellt und gibt Erklärungen zu bestimmten augenfälligen Aspekten des Krankenhausbetriebes. So griff auch die Predigt innerhalb des Gottesdienstes einen leicht übersehbaren Hinweis aus dem Treppenhaus im so genannten Hochhaus auf. Im Treppengeländer finden sich verschiedene schmiedeeiserne Darstellungen, so die erste: ein flammendes Herz. „Willst du zum kranken Menschen gehen, dann tue es mit brennendem Herzen.“ Eine Aufforderung, die zu allen Zeiten Gültigkeit besitzt, gerade aber für unser Haus, das sich auf die Fahnen geschrieben hat: „Qualität und Kompetenz im Zeichen der Barmherzigkeit“.

Pastor Günther Weigand
Raphaelsklinik