Anders als im heimischen Münster: Dr. Frank Fischer als Chirurg in Indien.

Als Chirurg in Indien

[07.03.2011]

Dr. Frank Fischer arbeitete zwei Wochen ehrenamtlich in Katra

Wenn Dr. Frank Fischer, leitender Oberarzt der Abteilung für Allgemein- und Viszeralchirurgie in der Raphaelsklinik, an seinen Einsatz im Missions-Krankenhaus des zentralindischen Dorfes Katra zurückdenkt, wird der Mediziner nachdenklich. Eine andere Welt war das, kein Vergleich zum blitzblanken OP-Saal in Fischers westfälischer Heimatstadt: „Ich bin jetzt mit mehr Gelassenheit und Bescheidenheit bei der Arbeit, wenn ich bedenke, unter welchen Bedingungen wir in Indien operiert haben!“

Zwei Wochen war der Chirurg mit dem Team von Dr. Albrecht Krause-Bergmann, Chefarzt an der Fachklinik Hornheide, in Indien, um hauptsächlich Patienten mit Verbrennungen, Fehlbildungen und Weichteiltumoren zu operieren. Organisiert wurde die Reise von dem gemeinnützigen Verein pro-interplast Seligenstadt e. V., der Auslandseinsätze plastischer Chirurgen in Entwicklungsländern koordiniert und finanziert. Die Beschaffung von Medikamenten, Verbandsmaterialien und medizinischen Instrumenten übernahm die Raphaelsklinik. Ebenfalls mit dabei waren über 100 Stofftiere für die kleineren Patienten, gesammelt von der Krankenschwester Monika Kuper aus dem St. Franziskus-Hospital. Insgesamt gingen zehn Koffer mit einem Gesamtgewicht von 250 Kilogramm auf die Reise.

Vom filigranen handchirurgischen Eingriff mit der Lupenbrille bis zur großflächigen Hauttransplantation zur Entlastung von Verbrennungsnarben reichte dabei die Spannweite der Operationen. „Gerade Verbrennungen sind dort keine Seltenheit“ beschreibt Fischer seine Arbeit in dem kleinen indischen Dorf rund 750 Kilometer südöstlich der Hauptstadt Neu Delhi. Ursache sind zum Einen die weit verbreiteten Kerosinöfen, die bei falscher Handhabung zur lebensgefährlichen Falle werden können. Zum Anderen musste der Arzt viele Frauen behandeln, die bei Streitigkeiten um die Mitgift zu Opfern von Brandanschlägen wurden: „Oft wurden die jungen Frauen von ihren Schwiegermüttern in Brand gesetzt“, wie Fischer berichtet.

Der Patientensaal war ein kahler Raum mit grün gestrichenen Betonwänden, ohne Nachtschränke, ohne Klingel für die Schwester, nur eine nackte Leuchtstofflampe an der Decke und ein winziges Fenster mit Fliegengitter, durch das kaum ein Lufthauch dringt. Trotzdem waren die Patienten froh dort zu sein, wer arm ist in Indien, hat ansonsten keine Chance auf eine ausreichende medizinische Behandlung. So wie der vierjährige Sarju, dessen Finger nach einer Verbrennung miteinander verwachsen waren. Durch den Eingriff der Chirurgen kann der Junge seine Finger jetzt wieder bewegen und das Kuscheltier aus dem fernen Deutschland fest in seinen Händen halten.

Informationen zum Einsatz in Entwicklungsländern liefert die Seite www.pro-interplast.de

(Michael Bührke)