Ausstellungseröffnung "1000 Engel" von Andreas Rimkus

[28.11.2008]

„Ich bin begeistert von der Idee, sich künstlerisch mit einem so interessanten aber auch so schwierigen Thema hier in einem Krankenhaus zu beschäftigen“, lobt der Bürgermeister der Stadt Münster, Hans Varnhagen bei der Ausstellungseröffnung am 27. November die Initiatoren der Raphaelsklinik. Auch Dr. Gail Kirkpatrick vom Kulturamt ist beeindruckt: „In diesem Kunstwerk wird auf exemplarische Weise meisterliche handwerkliche Fähigkeit vereint mit dem Nicht-Material der Ästhetik.“

Wie ein prähistorischer Kokon oder ein überdimensionales Nest mutet das kugelförmige Objekt an, das im Foyer der Raphaelsklinik in Münster steht. Das Baumaterial indes ist so ungewöhnlich wie sein Standort, über 1000 hölzerne Gehstöcke wurden miteinander verknüpft, einige scheinen sich vom Stöckerkonglomerat lösen zu wollen und streben an dünnen Stahlseilen dem hohen Glasdach entgegen.

Die Hand- und Spazierstöcke stammen aus dem Nachlass Verstorbener, viele tragen noch die Zeichen ihrer ehemaligen Nutzung und Besitzer, eingeritzte Namen oder festgenagelte Wanderplaketten individualisieren die Gehhilfen. „Mir ist aufgefallen, dass die Menschen sich nach dem Tod eines Angehörigen von vielen Dingen trennen, selten jedoch vom Gehstock“, berichtet der Schöpfer der Installation, Andreas Rimkus aus dem südwestlich von Hannover gelegenen niedersächsischen Springe.

Über einen Zeitraum von fünf Jahren sammelte er die Stöcke und fügte sie zur Installation „1000 Engel“ zusammen. Im Inneren der Installation steht eine eckige Säule, die eine quadratische Platte und eine goldene Kugel trägt. Während die Platte unter den Gefrierpunkt abgekühlt wird und ständig mit feinem Schnee bedeckt ist, strahlt die Kugel wohlige Wärme aus. Wird sie berührt, ertönen leise Wiegenlieder aus aller Welt. 200 gesammelte Tondokumente von Rimkus und seiner Frau Christine, die auf eine schwindende Tradition verweisen, das Singen von Liedern von Eltern für ihre Kinder. „Wenn ich meinem Kind ein Lied vorsinge, hinterlasse ich positive Abdrücke in seiner Seele“, erläutert Rimkus und schlägt den Bogen zur Kugel in seinem Objekt, auf deren hochglanzpolierter Oberfläche Fingerabdrücke der Besucher zurück bleiben.

Obwohl das Objekt in der belebten Halle des Krankenhauses steht, herrscht in seinem Inneren eine fast intime Ruhe, die von der Wärme der Kugel und den vielsprachigen Wiegenliedern ausgeht. Verlässt man den Kokon, wird man mit den Details der Gehstöcke und der eigenen Vergänglichkeit konfrontiert. Trotz der schwierigen Problematik im Spannungsbogen zwischen Geburt, Leben und Tod strahlt die Installation eine friedliche Zuversicht aus. „Hier im Inneren des Sanctuariums von Andreas Rimkus wird mein Selbst von der lyrischen ruhigen Macht der Wiegenlieder beeindruckt. Hier spürt man den unschuldigen Anfang des Lebens, hier im Inneren wird Wärme gespendet, Energie erzeugt“, begeistert sich Kirkpatrik in ihrer Rede zur Vernissage.

Eine außerordentliche Bereicherung des Abends war der virtuose Gesang der Sopranistin Christine Rimkus zur Gitarrenbegleitung von Andreas Hagemann. Vorgetragen wurden Lieder zu Geburt und Tod, die viele der Besucher des Abends in kürzester Zeit in ihren Bann zog.

Die Installation „1000 Engel“ ist noch bis zum 24. Januar 2009 täglich von 9 bis 20 Uhr zu sehen, der Eintritt ist frei.

Informationen zum Künstler finden Sie im Internet auf der Seite ideenkunst.de

(Michael Bührke)

AnhangTypeGröße
Raphaelsklinik_Rimkus-Web.pdfpdf413.12 KB