Über 100 Besucher kamen zu der Informationsveranstaltung im Klinikfoyer
Geschäftsführer Stefan Kentrup begrüßte die Gäste
Ralph Schomaker vom Zentrum für Sportmedizin - ZfS
Priv.-Doz. Dr. Ulrich Peitz, Chefarzt der Medizinischen Klinik II - Gastroenterologie
Dr. Christiana Lütkes von AGE - Agentur für gesellschaftliches Engagement
Dr. Paul Lodde, Fachanwalt für Medizinrecht
Jochen Temme moderierte die Veranstaltung
Physiotherapueten gaben wertvolle Tipps für Fitness im Alter

"Chance Alter" ein großer Erfolg

[20.09.2010]

Fit und mobil ins Alter

Eilig mussten kurz vor Beginn der Infoveranstaltung im Foyer der Raphaelsklinik noch Stühle nachgestellt werden: Über 100 Interessierte wollten sich die Beiträge der vier unterschiedlichen Experten zum Thema „Chance Alter – Fit und mobil in die zweite Lebenshälfte“ nicht entgehen lassen. Ziel der Veranstalter des Informations- und Aktionstages am 18. September war, die Zeit nach dem Ausscheiden aus dem Berufsleben als Gelegenheit zu erkennen, Neues zu erproben oder das große berufliche Wissen, das sich in Jahrzehnten angesammelt hat, an die jüngere Generation weiter zu geben. Die Klinik setzte mit dieser Veranstaltung ein wichtiges Konzernziel um, das die Auseinandersetzung mit den besonderen Ansprüchen der älteren Generation in den Fokus rücken sollte.

Der Auftakt war motivierend, Dr. Ralph Schomaker vom münsterischen ZfS-Zentrum für Sportmedizin räumte mit dem Vorurteil auf, dass sich die Muskulatur im Alter abbaue. „Die Muskeln des 80-jährigen Menschen sind genauso trainierbar wir die eines 25-jährigen, das beweisen zahlreiche Studien. Wir sorgen nur selber durch ständiges Sitzen dafür, dass das Übergewicht zunimmt und die Muskelmasse zurück geht.“ Der Mensch würde einfach den Ansprüchen seiner Muskulatur nicht mehr gerecht werden. Zwei Mal pro Woche für 20 bis 30 Minuten leichtes Training war das Rezept, das der Sportmediziner den Zuhörern mit auf den Weg gab. Durch das gezielte Trainieren der „schnellen Muskeln“ (Typ II-Fasern) würde auch das Sturzrisiko deutlich reduziert werden. Doch zuvor gilt wie immer: Fragen Sie Ihren Arzt oder Physiotherapeuten!

Im Übergewicht sah auch der Gastroenterologe und Chefarzt der Raphaelsklinik, Priv.-Doz. Dr. Ulrich Peitz, eine der Hauptursachen für gesundheitliche Probleme im Alter. Schließlich stirbt in Deutschland jeder Zweite an Herz-Kreislauferkrankungen und jeder Vierte an Krebs, beidem kann durch gesundes Essen mit viel frischem Obst und Gemüse, Vollkornprodukten und Fisch statt Fleisch effektiv begegnet werden. Mit einem Fall von positivem Artensterben konnte der Mediziner ebenfalls aufwarten: Das Bakterium Helicobacter pylori, das sich im Magen ansiedeln kann und für den Magenkrebs mitverantwortlich gemacht wird, ist auf dem Rückzug. Ursache sei eine gesündere Ernährung, die vitaminreicher und seltener geräuchert sei als früher. Auf jeden Fall rät Peitz zur regelmäßigen Darmspiegelung, mit ihr könne drohender Darmkrebs zuverlässig erkannt und verhindert werden.

Dr. Christiana Lütkes leitet in Hamm das Projekt AGE-Agentur für Gesellschaftliches Engagement, das engagierten Ruheständlern die Möglichkeit bietet, ihr Wissen sozial einzusetzen. Transporte gespendeter Möbel nach Rumänien, das Aufarbeiten gebrauchter Computer für Schulen und Vereine oder die ehrenamtliche Produktion einer regelmäßig erscheinenden Hörzeitung für Blinde stehen beispielhaft für den Erfolg der Agentur, die in Deutschland in dieser Form einmalig ist. So vermitteln in einem weiteren Projekt ehemalige Schlosser Schülern die Grundlagen der Metallbearbeitung, um so auf praktischem Wege neue berufliche Perspektiven aufzuzeigen. „Ich erkenne meine Schüler nicht wieder!“ zitiert Lütkes einen der verblüfften Lehrer, der seine Schützlinge im Unterricht ansonsten eher träge und antriebsarm erlebt.

Den Abschluss der Expertenrunde machte der Fachanwalt für Medizinrecht, Dr. Paul Lodde. Sein Thema war die Patientenverfügung, die zwar in jedem Alter aktuell ist, bei den meisten Menschen jedoch erst in der zweiten Lebenshälfte ins Bewusstsein rückt. In ihr legt der Verfasser frühzeitig fest, ob im Falle einer schweren Erkrankung eine medizinische Behandlung fortgesetzt werden soll, auch wenn keine Besserung zu erwarten ist und sich der Betroffene nicht mehr selber äußern kann. „Vordrucke für die Patientenverfügung gibt es überall. Sie sollten jedoch vor dem Ausfüllen mit Ihrem Arzt sprechen und sich den Inhalt erklären lassen.“ rät der Jurist.

Professionell moderiert wurde die Veranstaltung vom Vorsitzenden des Stadtsportbundes Münster, Jochen Temme. An Infoständen konnten sich die Zuhörer von Physiotherapeuten und Ernährungsexperten beraten lassen, einfache Übungen ausprobieren und gesundes Essen testen.

(Michael Bührke)