Günter Gövert (l.) und Christoph Kortmann von der KGK – Klinik- und Gebäudedienste Kortmann GmbH (r.) überreichen Ramazan Gümüs und den beiden anderen Rettern einen Gutschein.

„Das ist nicht selbstverständlich!“

[22.03.2011]

Klinikmitarbeiter verhindern tödliches Beziehungsdrama
Es hätte einer der schwärzesten Tage in der Geschichte der Raphaelsklinik werden können, doch Dank des beherzten Eingreifens dreier Klinikmitarbeiterinnen und -mitarbeiter wurde er zu einem beeindruckenden Beispiel für Zivilcourage.

Am Morgen des 12. März betrat der Täter gegen 6.50 Uhr die Kellerräume des Krankenhauses. Mit dabei: Alkohol im Blut, eine Axt unter dem Mantel und jede Menge Wut und Enttäuschung im Bauch. Kurze Zeit später gellen Schreie durch die unterirdischen Gänge, der Mann verfolgt seine ehemalige Lebensgefährtin mit der Axt, schlägt auf sie ein, verfehlt den Kopf nur knapp, weil das Opfer schnell reagiert und sich zur Seite dreht, so wird lediglich die Schulter verletzt. Opfer und Täter arbeiten in der Raphaelsklinik, sie im Reinigungsdienst und er in der Spülküche. Anlass für den Angriff war vermutlich ein Beziehungsstreit. „Die Motivlage ist zurzeit noch nicht klar. Es ist jedoch wahrscheinlich, dass sie sich aus der gescheiterten Beziehung von Täter und Opfer ergibt“, wird Oberstaatsanwalt Wolfgang Schweer in einer Pressemitteilung der Polizei zitiert. Aus der Beziehung stammt ein gemeinsames vierjähriges Kind.

Durch ihre Schreie auf die Notlage der Frau aufmerksam geworden, eilen drei beherzte Mitarbeiterinnen und -mitarbeiter zu Hilfe, entwaffnen den Mann und bringen die verletzte Frau in einem Büroraum in Sicherheit. „Ich bin total geschockt!“ sagt Ramazan Gümüs, Vorarbeiter in der Spülküche und einer der drei mutigen Helfer, „wir haben schon so lange zusammengearbeitet, er war immer ein netter und freundlicher Kollege.“ Gümüs hat den Täter vom Opfer weggedrängt und festgehalten, dabei fiel die Axt zu Boden. Darauf floh der Angreifer mit den Worten „Ich gehe jetzt nach Hause“ und wird keine Stunde später von der Polizei in einem Randbezirk der Stadt gefasst. Die Schulterverletzung des Opfers wird sofort in der Zentralen Ambulanz versorgt, eine stationäre Aufnahme war nicht notwendig.

Die Betriebsleitung der Raphaelsklinik würdigte den Einsatz der drei Lebensretter mit einer kleinen Feier und einem Präsent. „Wir sind sehr froh über den guten Ausgang dieses Zwischenfalls und beeindruckt von der Zivilcourage unserer Mitarbeiter“ sagt die Krankenhausoberin Schwester Reginfrieda. Auch Günter Gövert, Geschäftsführer der Manus-in-Manu Servicegesellschaft betont, dass er großen Respekt vor dem Handeln der drei Kolleginnen und Kollegen hat: „Das, was die Drei bewiesen haben, nennen wir Zivilcourage. Sie haben nicht weggeschaut, sondern aktiv einem Menschen in einer bedrohlichen Situation selbstlos geholfen. Das ist in unserer heutigen Gesellschaft nicht selbstverständlich.“

(Michael Bührke)

http://www.youtube.com/watch?v=ZLfybXjlI0w