"Das war's! - Deutschlands Krankenhäuser haben ihre Belastungsgrenze erreicht

[18.11.2008]

Help, Hilfe steht in großen Buchstaben im Foyer der Raphaelsklinik, gebildet aus Mitarbeitern der Klinik, die sich während der Mittagspause zur deutschlandweiten Aktion "Aktive Mittagspause" versammelt haben. Initiator ist das Aktionsbündnis "Rettung der Krankenhäuser".

"Das war's! Das Pflegepersonal und die Ärzte in unseren Krankenhäusern haben eine Grenze erreicht, deren Überschreiten ethisch nicht mehr zu vertreten ist!" Hartmut Hagmann ist Geschäftsführer der Raphaelsklinik und eigentlich ein ruhiger Mensch, doch was er tagtäglich in seinem Krankenhaus als Folge der Sparmaßnahmen im Deutschen Gesundheitswesen erleben muss, treibt ihn förmlich auf die Palme. "Die Bundesregierung verkauft der Bevölkerung eine offensichtliche Mogelpackung. Was uns bei der letzten Gesundheitsreform weggenommen wurde, bekommen wir nun wieder zurück. Das ergibt unter dem Strich kein Plus sondern ein Minus."

Was jeder Bürger mit der letzten Abrechnung der Stadtwerke am eigenen Leib spüren musste, merken auch die Krankenhäuser: die Energiekosten schnellen in schwindelerregende Höhen. Medizinische Großgeräte wie Computertomographen und Röntgenapparate oder die Öfen der Klinikküche haben einen enormen Energiebedarf, die Krankenzimmer müssen beheizt werden, ebenso die Schwimmhalle der Physiotherapeuten, der OP oder die Behandlungszimmer. Die Finanzierung der Energiekosten ist dabei noch nicht gesichert.

Für die Mitarbeiter gab es außerdem kürzlich eine Tariferhöhung, "Nach Jahren der Nullrunden war diese Erhöhung für die Klinikmitarbeiter mehr als verdient. Leider ist die Tarifsteigerung aber nicht mal zur Hälfte gegenfinanziert", beklagt der Geschäftsführer.

Die Krankenhäuser bekommen 0,64 Prozent mehr Geld als im Vorjahr, bei einer Inflationsrate von über drei Prozent im Jahr 2008 verpufft dieser Betrag nahezu wirkungslos. "Wir stehen mit dem Rücken zur Wand. Es gibt nur einen Weg, wir müssen nachverhandeln und zu einem fairen Ergebnis kommen. Alles andere ist moralisch den Patienten gegenüber nicht zu vertreten!" gibt sich Hagmann entschlossen.

 (Michael Bührke)