Das Foyer der Raphaelsklinik war voll besetzt, als Experten über das Thema „Demenz und Selbstbestimmung“ berichteten.
Stefanie Oberfeld (l.) und der Vorsitzende des Ethikkomitees der Raphaelsklinik, Prof. Dr. Dr. Matthias Hoffmann, verfolgen aufmerksam die Ausführungen einer Betroffenen.
Experten aus Pflege und Medizin diskutieren ethische Aspekte der Demenz.
Das Foyer der Raphaelsklinik war voll besetzt, als Experten über das Thema „Demenz und Selbstbestimmung“ berichteten.
Experten aus Pflege und Medizin diskutieren ethische Aspekte der Demenz.

Den Willen Demenzkranker erkennen

[17.04.2013]

Mit Zunahme der Lebenserwartung steigt auch die Zahl der Menschen in Deutschland, die unter einer Demenz leiden. Gegenwärtig sind hierzulande rund 1,3 Millionen Menschen betroffen, in den nächsten 40 Jahren wird sich diese Zahl voraussichtlich verdoppeln. Dies schafft neue Herausforderungen und auch Probleme, sowohl für die Betroffenen als auch für die Angehörigen.

Bei der Ärztekammer Westfalen-Lippe ist für solche Fragestellungen mit der Medizinerin Stefanie Oberfeld deutschlandweit erstmals eine eigene Demenzbeauftragte tätig. Im Foyer der Raphaelsklinik informierte sie während einer öffentlichen Veranstaltung über die Formen der Demenz, den Umgang mit den Betroffenen und die Frage, wie der freie Wille des Patienten erkannt werden kann, auch wenn sich dieser kaum noch äußern kann. „Wenn der Patient nicht über die Brücke gehen kann, muss ich zu ihm gehen“ sagt die Ärztin und meint damit, dass man dem Betroffenen mit viel Geduld und Einfühlungsvermögen begegnen muss. Dies ist oftmals dann besonders schwer, wenn man den Demenzerkrankten noch als aktiven und gesunden Menschen kennt. „Aushalten können, das ist für die Angehörigen oft das Schwierigste“ erläutert Oberfeld.

Eine Betroffene schildert, wie unangenehm Hilfe sein kann, auch wenn sie gut gemeint ist. „Die Dinge werden einem oft übergestülpt ohne zuvor gefragt zu werden, wenn es heißt, dass man an Demenz erkrankt ist“ so habe ihr eine Pflegerin einmal den Fernseher mit dem Hinweis eingeschaltet, dass der gezeigte Beitrag beruhigend wirken würde, obwohl die Patientin war unruhig war noch Lust auf Fernsehen hatte.

Die Oberärztin Dr. Ursula Scholz vom Ethikkomitee der Raphaelsklinik, das die Veranstaltung organisiert hat, verweist auf die Bedeutung von Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht, beides dürfe nicht zu allgemein verfasst sein. „Es gilt immer der aktuell geäußerte Patientenwille, auch wenn dieser der Patientenverfügung widerspricht.“