In der Höhle des Löwen:Ulla Schmidt zu Gast in der Raphaelsklinik

[04.09.2007]

So richtig hat nach zwei kurzfristigen Absagen und einer Terminverschiebung wohl nur noch einer an eine Zusage geglaubt: Dr. Bernhard Egen. Seiner Beharrlichkeit als Initiator der Veranstaltung verdankt die Raphaelsklinik den hochrangigsten Politikerbesuch seit Jahren, möglicherweise in ihrer fast einhundertjährigen Geschichte.

Keine Geringere als die umstrittene Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt nahm am 3. September an einer Podiumsdiskussion zum Thema „Integrierte Versorgung“ im gut gefüllten Foyer der Raphaelsklinik teil. "Experiment auf Zeit oder gesundheitspolitisches Modell der Zukunft" lautete der Untertitel der Veranstaltung, an der neben dem „Stargast“ weitere hochrangige Vertreter aus den Reihen der Politik, Kassen und Leistungserbringern teilnahmen.
Die Idee der Integrierten Versorgung (IV), ein Ergebnis der Gesundheitsreform, wirkt auf den ersten Blick wie das Allheilmittel gegen viele Nöte unseres kränkelnden Gesundheitssystems. Die enge Verzahnung von Hausärzten, Fachärzten, Krankenhäusern und Reha-Einrichtungen soll Doppeluntersuchungen verhindern und Kosten senken. Eine Auswertung der ersten rund 4000 IV-Verträge in Deutschland habe ergeben, dass von ihnen eine deutliche Kostensenkung und Verkürzung der Verweildauern zu erwarten sei, wie der Bundestagsabgeordnete Ruprecht Polenz (CDU) während der Veranstaltung berichtete. Vielerorts macht sich allerdings inzwischen Unmut breit, es wird offen vom Verdrängungswettbewerb und der Einschränkung von Leistungen für die Patienten gesprochen. So machte auch Gregor Hellmons während der Podiumsdiskussion deutlich, dass der Wille zum Abschluss von IV-Verträgen durchaus vorläge, die Krankenkassen sich jedoch oft genug querstellen würden. Obwohl keiner der Diskussionsteilnehmer rundum mit der Umsetzung der Integrierten Versorgung zufrieden ist und Nachbesserungsbedarf sieht, konnte ein Königsweg auch von den Anwesenden nicht gefunden werden. Eines jedoch hat die Veranstaltung eindeutig bewiesen: Beharrlichkeit führt oft zum Ziel!

(Michael Bührke)