Digitale Radiologie

[23.07.2005]

Zwei Ärzte unterhalten sich intensiv über einen Patienten und betrachten dabei die soeben erstellte Röntgenaufnahme. Ein Bild, das aus jeder Arztserie vertraut ist und keine ungewöhnliche Vorstellung, wären die beiden Ärzte bei ihrem Gespräch nicht kilometerweit voneinander entfernt. „Die digitale Radiologie ermöglicht es, Röntgenbilder unmittelbar nach ihrer Entstehung verschlüsselt über das Internet an jeden Ort der Welt zu senden, um im Zweifelsfall die Meinung eines weiteren Spezialisten einzuholen.“ erläutert der Chefarzt der Radiologischen Abteilung, Dr. Rolf Cromme.

Die Raphaelsklinik hat die Röntgen- und Nuklearmedizinische Abteilung vollständig auf digitale Geräte umgestellt. „Selbst im gesamten Bundesgebiet gibt es nur wenige Kliniken, die komplett auf digitale Technik setzen.“ erläutert der leitende Medizinisch-technische Radiologieassistent Dietmar Grabs.

Mussten bislang bei der herkömmlichen Röntgenuntersuchung mehrere Filme belichtet werden, wenn sowohl Knochenbrüche als auch Verletzungen der inneren Organe oder der Muskulatur vermutet wurden, genügt bei der digitalen Technik oft eine einzige Aufnahme. Aus der Fülle digitaler Informationen können vom Fachmann am Computer nur diejenigen herausgezogen werden, die für die jeweilige Fragestellung von Interesse sind. Für den Patienten kann dies eine deutlich geringere Strahlenbelastung und einen kürzeren Aufenthalt in der Röntgenabteilung und im Krankenhaus bedeuten.

Unmittelbar nach der Untersuchung erscheint das Röntgenbild beim behandelnden Arzt, der weitere Behandlungsablauf kann entschieden werden, bevor der Patient auf die Station zurückkehrt. „Auf der Intensivstation müssen häufig unter schwierigen Bedingungen Röntgenuntersuchungen vorgenommen werden. Dank der neuen Technik gibt es praktisch keine Fehlaufnahmen mehr und der Arzt hat bereits nach zwei Minuten das Röntgenbild vor Augen.“ Ein Zeitvorteil, der von großer Bedeutung für die Behandlung des Patienten sein kann, wie Cromme aus der Praxis berichtet. Mit der Computerdatei der Röntgenaufnahme sind direkt die Daten des Patienten bis zum Befund verbunden, es kann nichts mehr verloren gehen, eine Verwechslung ist nahezu ausgeschlossen. Statt einer Tüte mit sperrigen Röntgenbildern erhält der Patient eine einfache CD, die er in der Jackentasche mit zu seinem Hausarzt nehmen kann. In der Klinik werden die Daten mindestens zehn Jahre auf DVD gespeichert und sind kurzfristig und einfach abrufbar. Hier zeigt sich eine weitere Stärke der digitalen Radiologie: wie bei Fotografien vergilben viele Röntgenfilme mit der Zeit. Wichtige Informationen gehen so verloren. Dies ist bei digitalen Bildern ausgeschlossen. Bereits bei der Anmeldung des Patienten in der Radiologie werden die digitalen Röntgenaufnahmen früherer Aufenthalte automatisch aufgerufen und stehen dem Arzt zum direkten Vergleich zur Verfügun