Durch dieses Treppenhaus ging vermutlich vor 75 Jahren die Mutter von Ursel, Adolf und Ilse Lammerding (v.l.), um zur Entbindungsstation zu gelangen. Am 25. August 1934 erblickte das Trio dann als die ersten Drillinge der Raphaelsklinik das Licht der Welt.

Drillingsglück kam unerwartet

[20.08.2009]

Der süße Adolf wusste bereits als Baby, was sich gehört. Nämlich: den Damen dieser Welt stets den Vortritt lassen. Daran hielt er sich schon im Kreißsaal. Bevor er den ersten Schrei tat, krähten bereits seine Schwestern - erst die Ursel, dann die Ilse. „Und so ist es geblieben“, schmunzelt der galante Herr mit einem Augenzwinkern.

Die Drillinge verstehen sich glänzend - während die Schwestern inzwischen „Kölsche Mädchen“ („aber im Herzen Westfälinnen“) sind, genießt ihr Bruder in der Westfalenmetropole seinen Ruhestand. Das Besondere an diesem Trio: Ursel, Ilse und Adolf Lammerding sind die ersten Drillinge, die in der Raphaelsklinik das Licht der Welt erblickt haben. Am 25. August 1934 war das: In der nächsten Woche feiern sie - natürlich zusammen - ihren 75. Geburtstag.

Drillinge - für jede Mutter eine echte Herausforderung. Else Lammerding, die Mama des strammen Trios, von dem jeder seine sechs Pfund in die Waagschale warf, meisterte sie „mit links“. „Ach, damals wurde da nicht so viel Gedöns drum gemacht“, erinnern sich die Jubilare gern daran, wies früher war. Immerhin wuchsen sie mit drei weiteren Geschwistern in Sendenhorst auf: „Da war richtig was los. Wir hatten viele Freunde, die immer gern zu uns kamen“, erzählt Ursel Lammerding. Mutter Else und Vater Karl mussten ganz schön ran, um die Kinderschar satt, zufrieden und groß zu bekommen.

Zumal: Mit Drillingen hatten die Eltern gar nicht gerechnet. Wo heute Ultraschall und modernen Untersuchungsmethoden so schnell nichts entgeht, da konnte man 1934 nur Vermutungen anstellen. „Zwillinge waren angekündigt“, weiß Adolf Lammerding. Mit ihm habe keiner gerechnet. Dass nicht nur ein Baby unterwegs sei, habe man wohl am Bauchumfang der Mutter sehen können: „Und beim Abhorchen der Herztöne wurden zwei registriert.“

„An die Raphaelsklinik haben wir ja keine Erinnerung mehr“, freute sich das Geschwister-Trio über die Exklusiv-Führung, die Pressesprecher Michael Bührke gestern Morgen für die drei genau da organisierte, wo sie in den Windeln gestrampelt haben. Lecker Frühstück gabs im vierten Stock - genau dort, wo damals die Säuglings- und Kinderstation angesiedelt war. „Alle Geschwister wurden hier geboren“, erzählt Ilse Lammerding. Die Raphaelsklinik sei für die gute Geburtshilfe wohl bekannt gewesen.

Baby Adolf musste ein wenig länger in der Klinik bleiben als seine Schwestern. Der Bruder, der sich in der Rolle als „Hahn im Korb“ sichtlich wohl fühlt, weiß aber nicht mehr genau, warum. Dass er so groß und stark geworden sei, dass verdanke er - unter anderem - einem Freund des Herrn Papa. „Der hat jeden Tag Muttermilch im Fläschchen von Sendenhorst nach Münster zur Klinik transportiert.“ Adolf hatte jedenfalls nicht das Problem, mit seinen Schwestern verwechselt zu werden. Bei Ilse und Ursel ist das anders: „Uns konnte keiner auseinander halten“, lachen die beiden noch heute über manchen Irrtum.

VON MARTINA DÖBBE (Westfälische Nachrichten)