"Mensch ärgere Dich nicht" im Spiegel spielen, da können die Schülerinnen dem Namen des Spiels nicht immer gerecht werden.
Der Alterssimulationsanzug zeigt den Jugendlichen, unter welchen Einschränkungen ältere Menschen zu leiden haben.
Schuhe zubinden im Spiegelbild, eine der leichteren Übungen.
Zahlreiche Schülerinnen und Schüler erprobten den Demenzparcours in der Raphaelsklinik.
Die Spezialbrille schränkt die Sehfähigkeit stark ein. Einen Ball zu fangen wird so zur fast unlösbaren Aufgabe.
Im Spiegel die Konturen eines Sterns nachzeichnen: Nicht so einfach!
Stefanie Oberfeld berichtet über das Thema Demenz.
Stefanie Oberfeld berichtet über das Thema Demenz.
Zahlreiche Zuhörer verfolgten aufmerksam den Vortrag von Stefanie Oberfeld.

Ein Parcours für mehr Akzeptanz

[18.08.2015]

Nancy schlägt sich gut, mit sehr viel Konzentration versucht sie, im Spiegelbild die Konturen eines Sterns nachzuzeichnen. Ihre Klassenkameradin Selina beobachtet sie dabei genau und ist beeindruckt wie gut es läuft, sie hat diese kniffelige Aufgabe bereits hinter sich. Währenddessen versuchen Melina und Francis eine Partie „Mensch ärgere Dich nicht“ zu spielen, auch diese beiden Schülerinnen können das Spielfeld nur über einen Spiegel beobachten.

Ebenso wie bei den Übungen „Schuhe zubinden“ und „Granulat auf einen Löffel schütten“ passen die Bewegungen der eigenen Hände und das, was man im Spiegel sieht, nicht immer zusammen. Ärger über das eigene Unvermögen macht sich breit, manch einer der jungen Leute, die überwiegend soziale Berufe erlernen, würden am liebsten vor Wut losschreien. Sie alle nehmen allerdings nicht an einer amüsanten Spielerunde teil sondern erproben den Demenzparcours der Landesinitiative Demenz-Service, der im Foyer der Raphaelsklinik aufgebaut ist. Die Aktion findet statt in Kooperation mit dem Demenz-Servicezentrum Region Münster und das westliche Münsterland.

„Es geht nicht darum, bei sich selber zum Beispiel erste Anzeichen einer Demenz zu finden oder gar eine medizinische Diagnose zu stellen“, warnt Beate Dobner vom Demenz-Servicezentrum, das sich in Trägerschaft der Alexianer Münster GmbH befindet. Vielmehr möchte der Parcours mit seinen zwölf Stationen einen Einblick in die Welt der Erkrankten ermöglichen, um Verständnis für die vielen Einschränkungen zu wecken, mit denen Demenzerkrankte im täglichen Leben konfrontiert werden.
In ihrem sehr gut besuchten Vortrag, der den Demenzparcours flankierte, warb Stefanie Oberfeld, Demenzbeauftragte der Ärztekammer Westfalen-Lippe und Oberärztin im geronthopsychiatrischen Zentrum, Clemens-Wallrath-Haus, für mehr Akzeptanz und Verständnis, wenn es um den Umgang mit Demenzkranken geht. Geduld und Einfühlungsvermögen seien auch aus ihrer Sicht der Schlüssel zu einem verständnisvollen Miteinander.

Laut einer aktuellen Studie erkrankt weltweit alle 3,2 Sekunden ein Mensch an Demenz, alleine in Deutschland geht man von 1,6 Millionen Betroffenen aus. Aus Heidelberg kommen in diesen Tagen aber auch gute Nachrichten zu dem Thema. So gehen Wissenschaftler um den Molekularbiologen Konrad Beyreuther davon aus, dass in den kommenden zwei Jahren neue Medikamente auf den Markt kommen werden, die eine Demenz zwar nicht heilen aber zumindest bremsen oder sogar aufhalten können.

>>> Nähere Informationen zum Demenzparcours

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