Elektronische Visite am heimischen Bett

[09.01.2006]

Es klingt zunächst ein wenig nach Science Fiction, dabei sind die verwendeten Technologien bereits seit Jahren den meisten Menschen vertraut. Die Abteilung für Unfall- und Wiederherstellungschirurgie der Raphaelsklinik unter der Leitung von Priv.-Doz. Dr. Gunnar Möllenhoff hat mit der sogenannten Televisite eine Technik eingeführt, die in der Region einmalig ist.

Bei der Entlassung erhält der Patient zukünftig einen handlichen Koffer, in dem sich eine Digitalkamera und ein spezieller Computer befinden. Mit der Kamera fotografiert der Patient täglich die Operationswunde. Der Fotoapparat wird anschließend mit dem Computer verbunden um bis zu vier Fotos werden in das Gerät zu übertragen.
Doch der Computer, an dessen Entwicklung Möllenhoff eng beteiligt war, kann noch mehr. Eine Reihe einfacher Fragen wie „Haben Sie Schmerzen?“ oder „Wie klappt es mit der Krankengymnastik?“ kann der Patient anhand einer Skala seinem persönlichen Empfinden gemäß beantworten. Der Computer kann auch Sprache aufzeichnen, wenn der Patient seinem behandelnden Arzt noch ein paar Worte zum Verlauf der Heilung mitteilen möchte. Wenn alle Fragen beantwortet sind, drückt der Patient einfach auf „Senden“ und die Daten werden über UMTS (Universal Mobile Telecommunications System), das moderne Hochgeschwindigkeits-Handy-Netz, an die Klinik übertragen. Ein Internetanschluss ist also nicht notwendig.

Der Computer erinnert dabei eher an ein Tablett als an ein Notebook und kommt mit nur drei Tasten aus, die Bedienung erfolgt über den Bildschirm. Somit besteht kaum die Gefahr eines Bedienungsfehlers, auch bei älteren oder technikunkundigen Menschen. Ziel der Televisite ist es, Patienten von nun an früher aus der Klinik entlassen zu können und dennoch das Gefühl zu haben, den Verlauf der Heilung ständig überwachen zu können. „Schließlich erholt man sich nirgendwo so gut, wie zu Hause!“ bringt Möllenhoff einen der Vorzüge des Systems auf den Punkt.

Während üblicherweise die erste Kontrolle zwei Wochen nach der Entlassung stattfindet, ermöglicht die Televisite den täglichen Kontakt zwischen Arzt und Patienten. „Wir können wesentlich schneller auf ungünstige Veränderungen reagieren oder zum Beispiel der Krankengymnastik bezüglich der Therapie Tipps geben.“ Freut sich der Chefarzt über das neue Stück Hightech in der Raphaelsklinik.