Dr. Wolfgang Hermann (r.) demonstriert, wo er bei Franz Pohlmann das Titan-Plättchen implantiert hat.
So liegt das Implantat unter der Haut, zu sehen ist von außen nichts.
In sechs unterschiedlichen Größen gibt es das Implantat.
Nur 170 mg wiegt das Titan-Implantat.

Endlich wieder Luft bekommen!

[23.09.2015]

Franz Pohlmann kann endlich tief durchatmen und dies nicht nur im übertragenen Sinn: „Schon bei der kleinsten Anstrengung klappten früher die Nasenflügel zu und ich bekam keine Luft mehr, an Sport war nicht zu denken“, der 59-Jährige litt, so wie rund 80 Prozent der Bevölkerung, unter einer Verengung der Nasenatmungswege. Dass von dieser Einschränkung sehr viele Menschen betroffen sind, belegen Zahlen der Pharmaindustrie: „Alleine in Deutschland werden pro Jahr 83 Millionen Fläschchen abschwellende Nasensprays verkauft“, berichtet der Chefarzt der Belegabteilung HNO 1 der Raphaelsklinik, Dr. Wolfgang Hermann beeindruckt.

Pohlmann ließ sich vor einigen Jahren die Nasenscheidewand korrigieren und klebte sich nachts spezielle Pflaster auf die Nase, ohne Erfolg: „Ich wurde oft nachts plötzlich wach, weil ich Luftnot bekam.“ An der Raphaelsklinik wird nun ein neues Verfahren mit dem Namen "Breathe Implant" angeboten, bei dem während eines operativen Eingriffs ein kleines, dünnes Titan-Plättchen in den Nasenflügel eingesetzt wird. Das Implantat weitet die Nasengänge, das Atmen wird erleichtert. Das klingt einfach, erfordert vom Operateur aber ein hohes Maß an Erfahrung. „Unser Ziel ist, Normalität herzustellen“, erläutert Hermann. Die Größe des Implantats wird vor der rund 45-minütigen OP ermittelt, je nach Typ des Titan-Plättchens ist die Veränderung hinterher kaum bis gar nicht zu erkennen. Sechs dieser Plättchen ergeben zusammen erst das Gewicht von einem Gramm, das Material Reintitan hat sich seit vielen Jahren zum Beispiel in der Zahnmedizin bewährt.

Die Erfolgsquote dieses Eingriffs liegt bei über 90 Prozent, Abstoßungserscheinungen sind unbekannt. Das Implantat liegt in sechs unterschiedlichen Größen vor, die Auswahl erfolgt während der OP. Wegen der Vollnarkose bleiben die Patienten noch eine Nacht zur Überwachung in der Klinik. „Nach der ersten Nacht mit dem Implantat wollte ich mir morgens das Pflaster von der Nase ziehen, da fiel mir ein, dass ich gar keins drauf hatte und trotzdem gut Luft bekommen habe“ erzählt Franz Pohlmann lachend.

Entwickelt wurde das Verfahren von dem schweizerischen Arzt Prof. Dr. Daniel à Wengen, mit dem Dr. Wolfgang Hermann in regelmäßigem Kontakt steht. Dieses neue Verfahren wird aktuell in nur sehr wenigen Kliniken angewendet, die Raphaelsklinik ist das einzige Krankenhaus in der Region.