Die Autorin Susanne Rafael berichtet in der Raphaelsklinik aus ihrer Zeit im Koma.
Die Autorin Susanne Rafael berichtet in der Raphaelsklinik aus ihrer Zeit im Koma.
Die Autorin Susanne Rafael berichtet in der Raphaelsklinik aus ihrer Zeit im Koma.
Die Autorin Susanne Rafael berichtet in der Raphaelsklinik aus ihrer Zeit im Koma.

Erinnerungen an das Koma

[04.05.2012]

„Rund 40.000 Menschen fallen pro Jahr in Deutschland ins Koma“ sagt die Autorin Susanne Rafael. Die Ursachen sind unterschiedlich: Unfälle, Vergiftungen, Organversagen. Rafael erlitt als 19-Jährige durch einen schweren Unfall einen komplizierten Schädelbasisbruch, war dem Tod näher als dem Leben, lag sechs Wochen im Koma. Ihre Erlebnisse schildert sie in ihrem Buch „Kopfzerbrechen“, das sie während eines Leseabends in der Raphaelsklinik vorstellte.

„Das Koma ist ein Zustand, der durch höchste Isolation gekennzeichnet ist“ schildert die Autorin, „ein menschenleerer Ort in völliger Dunkelheit, kalt und einsam. Ich fühlte mich körperlos und dachte, dass ich verschleppt worden sei, vielleicht in einen Bunker.“ Mit ihren Schilderungen zieht sie die Zuhörer schnell in ihren Bann. Die Rückkehr aus dem Koma erfolgte in kleinen Schritten, sie nahm allmählich Dinge aus dem Umfeld des Krankenzimmers wahr, baute Geräusche und Dinge, die sie sah, in ihre Traumwelt ein. „Ich wohnte bei einer Familie Burg in Norwegen, davon war ich fest überzeugt, dabei war ich nie in Norwegen!“ berichtet sie. „Durch ein Fenster sah ich Freunde auf der Straße vorbeigehen, ich versuchte sie zu rufen aber sie hörten mich nicht“, schildert sie den Versuch ihres Unterbewusstseins, der Isolation des Komas zu entkommen.

Langsam nahm sie ihren Körper wieder wahr, ein starkes Durstgefühl überkam sie, „ich saß mit Freunden an einem Tisch, alle tranken nur mir sagten sie, dass ich noch warten müsse.“ Langsam wurde sie wieder mobil, machte täglich Physiotherapie, dennoch blieben der linke Arm und das linke Bein bis heute in ihrer Funktion stark eingeschränkt. „Mit meinem Buch möchte ich erreichen, dass Komapatienten ernst genommen werden und dass man mit ihnen spricht, als seien sie wach“ sagt Susanne Rafael, die sich nach fast 40 Jahren noch immer so intensiv an viele Details aus der Zeit im Koma erinnert, „als sei es letzte Woche gewesen.“

Susanne Rafel schreibt nicht nur, sie malt auch Bilder, in denen sie das Erlebte darstellt. Eine Auswahl ihrer Werke konnte während der Lesung betrachtet werden.