Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg hält Klinik-Mitarbeiter in Atem

[02.02.2008]

So richtig verwundert war wohl niemand in der Raphaelsklinik, als die Feuerwehr am 1. Februar die Klinikleitung über den Fund eines Blindgängers um 15.20 Uhr auf der benachbarten Großbaustelle Stubengasse informierte. Immer wieder wurden in der Vergangenheit solche Relikte aus der Zeit der Bombardierungen des Zweiten Weltkriegs in Münsters Innenstadt gefunden. Die 250 Kilogramm schwere amerikanische Fliegerbombe wurde zuvor von einem Baggerfahrer aus der Erde geholt, der sofort Feuerwehr und Polizei informierte.

Im zunächst festgelegten Evakuierungsradius von 100 Metern lagen die Kurzzeitpflegestation und die Barbara-Station an der Loerstraße, in der betagte Ordensschwestern gepflegt werden. Da ein detaillierter Evakuierungsplan für solche Fälle in der Raphaelsklinik bereits vorlag, konnte die Räumung innerhalb von nur einer halben Stunde abgeschlossen werden. Die Bewohner wurden in Gebäudeabschnitte entlang der Klosterstraße verlagert, die weit außerhalb des gefährdeten Bereiches lagen. Da viele der Betroffenen aufgrund ihres Alters die Schrecken des Krieges miterlebt haben, kamen zwischenzeitig unangenehme Erinnerungen hoch. Das Pflegepersonal musste sich aus diesem Grund besonders intensiv auch um die seelische Verfassung der Bewohner kümmern.

Um der Öffentlichkeit die Möglichkeit zu geben am Geschehen teilzunehmen, wurde die Webcam der Raphaelsklinik, die normalerweise den Fortschritt der Baumaßnahmen auf dem Stubengassengelände beobachtet, zum Fundort der Bombe geschwenkt. Die aus Detmold angereisten Experten des Kampfmittelräumdienstes trafen gegen 19.00 Uhr in Münster ein und entschieden nach der Untersuchung der Bombe, dass der Evakuierungsradius auf 150 Meter erweitert werden muss. Nun waren auch Teile des Bettenhauses der Klinik und vor allem die Intensivstation betroffen. Beatmete Patienten wurden in den Aufwachraum des OP verlagert, wache Patienten kamen in die Zentrale interdisziplinäre Aufnahme (ZiA). So war die optimale Versorgung der Schwerstkranken zu jeder Zeit sichergestellt.

Gegen 22.30 Uhr erfolgte die Entwarnung, den Mitarbeitern des Kampfmittelräumdienstes ist es gelungen, beide Zünder zu entfernen und die Bombe abzutransportieren. Helfer des Deutschen Roten Kreuzes und des Malteser Hilfsdienstes halfen bei der Rückverlegung der Patienten auf die Intensivstation. Die Klinikküche wurde in Betrieb genommen, um die Helfer und Mitarbeiter der Klinik mit warmer Suppe zu versorgen.

(Michael Bührke)