Fortbildung zum Thema "Verletzungen im Alter"

[14.12.2005]

70 Ärzte folgten der Einladung der Abteilung für Unfall- und Wiederherstellungschirurgie der Raphaelsklinik Münster zu einer Fortbildung zum Thema „Traumatologie des alten Menschen“. In der Einführung legte der Chefarzt der Abteilung, Priv.-Doz. Dr. Gunnar Möllenhoff, die Bedeutung dieses Themas dar: „Die demographische Entwicklung in Deutschland führt dazu, dass immer mehr alte Menschen mit Verletzungen der Knochen in den Krankenhäusern und Arztpraxen behandelt werden müssen. Für den betroffenen Patienten sind damit oft einschneidende Veränderungen verbunden wie lange Krankenhausbehandlungen, Verlust der Selbstständigkeit, soziale Isolierung und Pflegebedürftigkeit.“ Aufgabe der Ärzte sei es, so Möllenhoff, dieses möglichst zu verhindern.

Jens Clasing, Mitarbeiter der Abteilung, stellte die Oberarmbrüche in den Mittelpunkt seines Vortrags. Zwei Drittel dieser Verletzungen können ohne Operation behandelt werden. Sollte eine Operation dennoch notwendig sein, gibt es mehrere Möglichkeiten. Ziel der Behandlung sollte allerdings immer sein, dass der Betroffene die Anforderungen des Alltags bewältigen und insbesondere den Arm wieder schmerzfrei benutzen kann.
Prof. Dr. Peter Ostermann aus Bocholt befasste sich mit den Knochenverletzungen im Bereich des Kniegelenkes. Hier muss fast immer operiert werden. Allerdings wandelt sich ein Segen der modernen Medizin oft zur besonderen Herausforderung: die zunehmende Häufigkeit des künstlichen Kniegelenksersatzes in den letzten Jahren führt auch zum vermehrten Auftreten von Knochenbrüchen im Bereich von Prothesen, deren Behandlung viel Erfahrung und besondere Kenntnisse verlangt.

Der Osnabrücker Chefarzt Priv.-Doz. Dr. Uwe Joosten wies darauf hin, dass es gerade an den unteren Extremitäten unvermeidbar sei, für den alten Patienten Operationsverfahren einzusetzen, die eine sofortige Belastbarkeit zulassen. Anders als jüngeren Menschen ist es Älteren kaum möglich, nach der Operation das betroffene Bein zu schonen und nur auf einem Bein zu laufen.
Dr. Markus Graf aus Bochum rückte den handgelenksnahen Bruch des Unterarmknochens in den Blickpunkt. Aufgrund der Häufigkeit kenne jeder in Klinik und Praxis tätige Chirurg dieses Krankheitsbild. Es gibt eine Vielzahl unterschiedlicher Behandlungsverfahren. Doch auch bei der Verwendung modernster Operationsverfahren gilt auch hier, dass die Erfahrung des Chirurgen durch nichts zu ersetzen ist.

Abschließend waren sich alle Dozenten einig, dass es beim älteren Patienten nicht ausreicht, nur den gebrochenen Knochen im Blick zu haben. Oftmals steckt eine Osteoporose hinter dem Knochenbruch, die ebenfalls erkannt und behandelt werden muss. Gerade bezüglich dieser Zusammenhänge gebe es noch viel Aufklärungsarbeit bei Ärzten und Patienten zu leisten.