Hightech-Ring revolutioniert Darmoperationen

[06.03.2008]

 Ein in Deutschland vollkommen neues Operationsverfahren wurde jetzt in der Raphaelsklinik bei Darmoperationen erfolgreich eingesetzt. Der so genannte Memory-Effekt spezieller Materialien sorgt dafür, dass die operierten Darmabschnitte ohne Klammern miteinander verbunden werden.

Seit fast einem Jahr wurde Thomas Kröner immer wieder von Bauchschmerzen und Durchfällen geplagt. Der sportliche Unternehmer, der ein internationales Transportunternehmen leitet, wohnt mit seiner Frau Annette auf Mallorca. „Ich bin weltweit viel unterwegs und wollte vermeiden, dass mich die Krankheit wieder trifft, wenn keine gute medizinische Versorgung in der Nähe verfügbar ist.“
Sein Hausarzt schickte den Vierzigjährigen in die Raphaelsklinik, wo bei der Darmspiegelung kleine Ausstülpungen in der Darmwand gefunden wurden, die sich regelmäßig entzündeten. Divertikulitis nennt sich dieses Krankheitsbild, das als typische Zivilisationskrankheit gilt, da es durch ballaststoffarme Ernährung begünstigt wird. Bei Menschen unter 30 Jahren tritt die Krankheit praktisch nie auf, ab dem 60. Lebensjahr ist in Deutschland fast jeder Zweite betroffen. Bei Kröner musste ein Teil des Dickdarms entfernt werden, um ein erneutes Auftreten der Probleme zu verhindern. In der Raphaelsklinik werden solche Eingriffe meist mit dem Endoskop durchgeführt, so werden lange Narben und die damit verbundenen Nebenwirkungen vermieden.
Das Problem: Wenn ein Teil des Darms entfernt wird, müssen die verbliebenen Enden wieder miteinander verbunden werden. Dafür wurden bisher kleine Metallklammern verwendet, die im Körper bleiben und mitunter zu Vernarbungen und Einengungen im Darm führen können. Eine erneute Operation kann dann erforderlich werden.Chefarzt Prof. Dr. Matthias Hoffmann und Oberarzt Dr. Andreas Koch haben zum ersten Mal in Deutschland ein neues Verfahren zur Verbindung der Darmenden eingesetzt, das ohne Metallklammern auskommt. Während der OP wird ein Ring in den Darm eingesetzt, der sich Dank einer speziellen Metallverbindung aus Nickel und Titan ausdehnt, wenn er Körpertemperatur annimmt. So kann der Darm zusammenwachsen, ohne durch Metallklammern eingeengt zu werden.
„Nach ein paar Wochen wird der Metallring ausgeschieden und der Darm ist verheilt.“ erklärt Hoffmann die Vorteile dieses neuen Operationsverfahrens. Entwickelt wurde die Technik in den USA, der Metallring wurde von einer Firma in Israel hergestellt. Hoffmann und Koch setzen große Hoffnungen in die unscheinbaren Metallringe: „Dieses neue Operationsverfahren, das auch bei anderen Darmoperationen wie beispielsweise zur Behandlung des Darmkrebses oder eines Darmvorfalls zum Einsatz kommt, ist eine echte Revolution auf dem Gebiet der Darmoperationen“, freuen sich die beiden Mediziner.

(Michael Bührke)