Ikonenausstellung "Fenster zur Ewigkeit"

[27.02.2004]

Schwester Dorothee ist Jahrgang 1934 und seit 1959 bei den Clemensschwestern. Nachdem sie viele Jahre in der Krankenpflege tätig war, entdeckte sie 1990 ihre Leidenschaft für die Ikonenmalerei.

Stand für sie zu Beginn das Erlernen der handwerklichen Seite im Vordergrund, ist es inzwischen die meditative Auseinandersetzung mit den historischen Ikonenvorbildern und deren Schöpfern die sie antreibt. Für Schwester Dorothee ist die Ikonenmalerei eine wichtige Möglichkeit der Verkündigung.

Wie bei den historischen Ikonen sucht der Betrachter auch bei den Werken von Schwester Dorothee vergebens nach einer Signatur, wie sie in der profanen Malerei üblich ist. Der Künstler tritt hinter dem Dargestellten zurück.

Ikonen (griechisch eikon: Bild) sind die wichtigsten religiösen Bildnisse aller orthodoxen, besonders der griechisch-orthodoxen und russisch-orthodoxen Kirchen. Dargestellt werden biblische Szenen, heilige Handlungen oder heilige Personen. Ikonen begleiteten das Christentum seit seinem Aufbruch bis zum heutigen Tage.

Als erste Ikone der Menschheitsgeschichte betrachtet man das so genannte Mandylion, ein Tuch mit dem Abdruck der Gesichtszüge Jesu, das heilende Kraft besaß und den König Abgar fast vollständig vom Aussatz befreite. Von den staatlichen und kulturellen Zentren der Antike Antiochien, Alexandrien und Konstantinopel, dem heutigen Istanbul, verbreitete sich die Ikonenverehrung rasch über die ganze orthodoxe Welt. Die ältesten bekannten Ikonen wurden im Katharinenkloster auf der Halbinsel Sinai gefunden, sie stammen aus dem 6. und 7. Jahrhundert.

Die frühesten Ikonen, auf denen oft Symbole wie Anker, Fisch oder Lamm abgebildet waren, wurden in der damals verbreiteten Technik der Enkaustik gemalt, bei der Farbpigmente mit heißem Wachs vermischt und aufgetragen wurden. Später kam die Mosaiktechnik hinzu. Bereits im 4. Jahrhundert gab es klare Vorschriften bei der bildlichen Darstellung der Ikonen. In der ersten Hälfte des 8. Jahrhunderts sorgte der so genannte Ikonoklasmus unter Kaiser Leon III. für eine breite Ablehnung der Ikonenverehrung. Aus diesem Grund sind viele alte Ikonen der Nachwelt nicht erhalten geblieben. Zur Blüte gelangte die russische Ikonenmalerei im 14. und 15. Jahrhundert unter den Künstlern Andrej Rubljow und Theophanes dem Griechen.

Für den orthodoxen Christen ist die Ikone nicht nur ein Abbild, der Dargestellte wird vielmehr im Bild gnadenhaft vergegenwärtigt. Daher steht der Ikonenmaler hinter dem Dargestellten zurück, Ikonen werden somit in der Regel nicht signiert. Der Ikonenmaler malt nicht aus der Fantasie, wie es in der profanen Malerei üblich ist. Gemalt wird hingegen nach den besten historischen Vorbildern.
Bischof Longin sagte über das Wesen der Ikone: “In der Ikone konzentriert sich das ganze All, denn bei ihrer Schöpfung haben ja die verschiedensten Elemente Anteil - die Naturfarben, die aus der Erde genommen sind, die Pflanzen, die hinzugefügt sind und Verwendung finden, das Ei, welches die lebendige Welt repräsentiert und schließlich die Vollendung der göttlichen Schöpfung, nämlich der Mensch, welcher diese Ikone malt.” (Zitat aus: “Ikonenmalerei heute”, 1988)

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