Der Kardiologe Dr. Frank Lieder im Gespräch mit einem Fernsehteam des WDR

Kardiologen warnen vor Herzinfarkt

[08.02.2012]

"Aus der warmen Wohnung mal eben schnell zum Schneeschippen morgens in die klirrende Kälte gehen, das ist eine typische Situation für einen Herzinfarkt" schildert der Kardiologe und leitende Oberarzt der Raphaelsklinik, Dr. Frank Lieder, ein Szenarium, das er so oder so ähnlich in jedem Winter in der Ambulanz der Raphaelsklinik erlebt. Doch es geht auch ohne Schnee, das zeigen die Erfahrungen der letzten Tage, an denen das Quecksilber selten höhere Temperaturen als -10 Grad angezeigt hat. Erst gestern kamen drei Patienten in Folge, die im Herzkatheterlabor als Notfall behandelt werden mussten.

"Die gesunden Blutgefäße reagieren auf Kälte mit einer Erweiterung, damit mehr Blut durch den Körper fließen kann, um überall für Wärme zu sorgen" erläutert der Experte für Herzerkrankungen. Anders sieht dies bei vorgeschädigten Gefäßen aus, die sich bei Kälte zusammenziehen. Liegt bereits eine Engstelle bei den Herzkranzgefäßen vor, kann dies das Fass zum Überlaufen bringen, das Gefäß verstopft, es kommt zum Herzinfarkt. "Wenn Sie das typische Engegefühl in der Brust spüren, manchmal verbunden mit Schmerzen in der Schulter oder im Arm, manchmal ausstrahlend in das Kinn, sollten Sie sofort 112 anrufen. Wenn es sich um einen Herzinfarkt handelt, zählt buchstäblich jede Minute!"

Wenn bei der Herzkatheteruntersuchung eine Verengung festgestellt werden konnte, legt der Kardiologe zum Aufweiten des Gefäßes einen sogenannten Stent, ein hauchfeines, tunnelförmiges Metallgeflecht, das die Wand des Blutgefäßes aufweitet und wieder durchlässig macht.

"Nach dem Eingriff muss der Patient regelmäßig untersucht werden, schädigende Lebensgewohnheiten wie Rauchen oder fettes Essen müssen eingestellt werden", außerdem verordnet der Kardiologe spezielle Medikamente, um ein erneutes Auftreten von Verengungen zu vermeiden.

Lokalzeit Münsterland (WDR):

Brisant (ARD):