Klinischer Abend zum Thema "Diabetes"

[14.07.2004]

Rund 10 Prozent der Bevölkerung leiden an Diabetes. Dies macht die „Zuckerkrankheit“ zu einer Volkskrankheit mit großer gesundheitspolitischer Bedeutung. Umso erstaunlicher ist die Tatsache, dass nur etwa 20 Prozent der Erkrankten ausreichend über den Umgang mit ihrer Krankheit informiert sind. Diese mangelnde Information führt durch unnötige Arztbesuche und einem weiten Spektrum vermeidbarer Folgeerkrankungen zu Kosten in Millionenhöhe.

Da die Hausärzte selten Zeit und Mittel für eine umfassende Schulung ihrer Patienten haben, werden überall in Deutschland gegenwärtig Schulungszentren und ärztliche Netzwerke eingerichtet. Disease-Management-Programm (DMP) Diabetes Typ 2 nennt sich das vom Bundesgesundheitsministerium 2002 in Kraft gesetzte Instrument zur Verbesserung der Versorgung von Diabeteserkrankten. Das DMP soll unter ganzheitlicher Betrachtung des Erkrankten die Prozesse in der Patientenversorgung ergebnisorientiert und wirtschaftlich steuern. Über die ersten Erfahrungen mit diesem Programm berichteten hochrangige Experten beim klinischen Abend der medizinischen Klinik der Raphaelsklinik unter der Leitung von Prof. Dr. Claus Spieker vor niedergelassenen Ärzten aus Münster.

Dr. Herbert Hillenbrand von der Gesellschaft für Management und Marketing im Gesundheitswesen ist erstaunt über die Schnelligkeit, mit der das Programm eingeführt wurde „Ich habe es noch nie erlebt, dass ein Gesetz im Gesundheitswesen so rasch durchgesetzt wurde!“. Ein Hinweis auf die Dringlichkeit einer Strukturierung der Diabetesbehandlung in Deutschland.

Kernelement des DMP ist die gründliche Schulung des Patienten, als Koordinator tritt der behandelnde Hausarzt in den Mittelpunkt. Er entscheidet über die passende Schulungseinrichtung und die weitere Behandlung des Diabetespatienten. Doch Hillenbrand kennt auch die Schwachpunkte dieses Programms „Es fällt niedergelassenen Ärzten unglaublich schwer, Netzwerke zu gründen. Sie sind es bislang gewohnt, als Einzelkämpfer zu agieren.“

Prof. Dr. Hendrik Lehnert, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie, informierte die anwesenden Ärzte über den aktuellen Stand der Diabetesforschung. Dass eine bessere Schulung der Erkrankten von großer Bedeutung ist, verdeutlicht Lehnert durch neuere Untersuchungen über den Zusammenhang zwischen Diabetes und Gefäßerkrankungen, die zum Beispiel zu Herzinfarkt oder Schlaganfall führen können. Der richtige Umgang mit seiner Krankheit kann den Diabetiker vor solchen Folgeerkrankungen schützen.

Der Gesetzgeber fordert die verstärkte Zusammenarbeit zwischen Krankenhäusern und niedergelassenen Ärzten. Dies wird auch in Münster Veränderungen in der Versorgungsstruktur bewirken, da sind sich die Experten beim klinischen Abend sicher.