Kommunikation ist alles! - Informationsbesuch beim Haus der Wohnungslosenhilfe

[13.03.2008]

Das Haus der Wohnungslosenhilfe (HdW) ist als Notunterkunft für alleinstehende, wohnungslose Männer in Münster eine feste und bewährte Institution. Trägerin ist die Bischof-Hermann-Stiftung. „Eigentlich gehört die medizinische Versorgung unserer Bewohner gar nicht zu unseren Aufgaben“, erläutert der Leiter des HdW, Bernd Mülbrecht, macht aber im gleichen Atemzug klar, dass eine verantwortungsvolle Arbeit in seiner Einrichtung ohne ein solches Angebot kaum zu verantworten sei.

Tatsächlich sind Krankenwagen und Notarzt regelmäßige „Gäste“ des HdW und als ausgebildete Krankenschwester gehört Marie-Claret Platzköster zum unverzichtbaren Personal der Notunterkunft. Niedergelassene Ärzte führen einmal pro Woche Sprechstunden für die Bewohner durch. Ein mobiler Dienst, bestehend aus zwei Ärzten und der Krankenschwester Kordula Leusmann, ist regelmäßig in Münster unterwegs und besucht diejenigen, die in oftmals menschenunwürdigen Verhältnissen am Rande der Gesellschaft leben. Das Angebot ist dringend notwendig, viele Wohnungslose in Münster sind chronisch krank, alkohol- oder drogenabhängig und scheuen den Gang zum Arzt oder ins Krankenhaus.

Trotz des engagierten Einsatzes der Mitarbeiter des HdW ist die Einweisung ins Krankenhaus allerdings oft unumgänglich. Die Raphaelsklinik liegt in unmittelbarer Nähe zu der sozialen Einrichtung und so kommen viele Bewohner zur Behandlung in die Innenstadtklinik. Um den Informationsaustausch zwischen beiden Einrichtungen zu verbessern, informierten sich jetzt drei Chefärzte der Raphaelsklinik vor Ort über die Arbeit des HdW. „Es ist gut zu wissen, dass es hier eine Krankenschwester als feste Ansprechpartnerin gibt“, stellte der Chefarzt der Abteilung für Innere Medizin, Prof. Dr. Claus Spieker, fest. So sei sicher gestellt, dass die Arztbriefe nach der Entlassung des Patienten in sachkundige Hände gelangten.

Dr. Christian Otte informierte über die neue Zentrale interdisziplinäre Aufnahme der Raphaelsklinik, die mit ihrer zentralen Rufnummer den Kontakt zur Raphaelsklinik wesentlich vereinfacht habe. „Die Behandlung der Patienten des HdW ist oft eine Herausforderung“, berichtete der Mediziner aus der Praxis. Häufig liegen zahlreiche schwere Erkrankungen gleichzeitig vor, bei Drogen- oder Alkoholvergiftungen ist die Verständigung mit dem Patienten zudem nur eingeschränkt möglich. Die Vergütung für die Klinik durch die Krankenkassen im Rahmen der Notfallpauschale deckt die entstehenden Kosten in der Regel nicht. In solchen Fällen trägt die Klinik den Restbetrag selber. „Für diese Menschen fehlt in unserer Gesellschaft die Lobby!“, beklagte Spieker. Eine Situation, die auch der Leiter des HdW, Bernd Mülbrecht, kennt: „Wir sind ständig bemüht, mit bescheidenen Mitteln große Effekte zu erzielen.“

(Michael Bührke)