Die Organisatoren des erfolgreichen Endoprothetikforums (v. l.): Prof. Dr. Gunnar Möllenhoff und Dr. Bernhard Egen.

Künstliche Gelenke bringen Lebensqualität zurück

[20.03.2010]

Wenn es nach den Ärzten gegangen wäre, die gerne am diesjährigen Endoprothetikforum teilgenommen hätten, wären selbst drei solcher Veranstaltungen ausgebucht gewesen. Über 1000 Anmeldungen gingen beim Organisator Dr. Bernhard Egen ein, dem standen 300 Plätze auf Gut Havichhorst gegenüber. „Wir könnten auch in die Halle Münsterland gehen, doch wir lieben das familiäre und gediegene Ambiente des münsterländischen Traditionsbetriebs“, erklärt der Oberarzt des Zentrums für Unfallchirurgie, Orthopädie, Endoprothetik und Gelenkchirurgie an der Raphaelsklinik Münster seine Entscheidung, auch im siebten Jahr am Tagungsort in Münster-Handorf festzuhalten.

Am 19. und 20. März drehte sich dort wieder alles um den künstlichen Gelenkersatz. Schwerpunkt des diesjährigen Treffens unter der wissenschaftlichen Leitung von Prof. Dr. Steffen Breusch (Universität Edinburgh), Prof. Dr. Carsten Perka (Charité Berlin) und Priv.-Doz. Dr. Gunnar Möllenhoff (Raphaelsklinik Münster) war die Implantation künstlicher Knie- und Ellenbogengelenke. Während sich die Einsatz künstlicher Kniegelenke mit rund 160 000 OPs pro Jahr in Deutschland schon fast auf Augenhöhe mit dem „Spitzenreiter“, dem künstlichen Gelenkersatz der Hüfte bewegt, ist der künstliche Ellenbogen mit rund 5000 Eingriffen pro Jahr noch vergleichsweise exotisch.

Gerade bei starken Schmerzen, Bewegungseinschränkungen und zunehmender Unbeweglichkeit aufgrund eines Gelenkverschleißes bringt der künstliche Gelenkersatz für viele Menschen neue Lebensqualität, verschafft er doch neben der Schmerzlinderung eine Wiedererlangung der Beweglichkeit und die Möglichkeit, früher gewohnte Alltags- und Sportaktivitäten wieder ausüben zu können. Der Angst, ein Leben im Rollstuhl verbringen zu müssen, kann wirksam begegnet werden.

Neben der Diskussion um neue Materialien und OP-Techniken standen auch gesundheitspolitischen Themen auf die Tagungsagenda. In vielen Ländern Europas gibt es mittlerweile ein Prothesenregister. In diesem wird jede landesweit eingebrachte Prothese erfasst. Alle auch nach zehn, 15 oder 20 Jahren erfolgenden Neueingriffe werden registriert. So können zuverlässige Aussagen getroffen werden, wie gut die verwendeten Prothesensysteme wirklich sind. Die Tagungsteilnehmer versprachen sich wertvolle statistische Erkenntnisse von einem solchen Register und sprachen sich für die rasche Einführung auch in Deutschland aus.

Um wissenschaftliche Entwicklungen und Fortschritte zu fördern, wurde erstmalig der mit 5000 Euro dotierte „Endoprothetikforum Förderpreis“ verliehen. Der Preis soll die Forschung auf dem Gebiet des künstlichen Gelenkersatzes unterstützen und forcieren. Zahlreiche Arbeiten aus international renommierten Zentren wurden eingereicht.

(Michael Bührke)