Künstlicher Darmausgang sollte kein Tabuthema sein!

[10.01.2008]

Elfriede Korn hat ein klares Ziel vor Augen: „Ich möchte Menschen mit einem künstlichen Darmausgang ins Leben zurückholen, damit sie den Alltag wieder besser bewältigen können“, erklärt die zierliche Frau ohne lange nachdenken zu müssen. Sie leitet die Selbsthilfevereinigung „Deutsche ILCO“ in Münster, die Menschen mit einem künstlichen Darmausgang (Stoma) oder mit Darmkrebs unterstützt und berät.

Seit über 30 Jahren besteht die Gruppe, deren 139 Mitglieder sich monatlich zum Informationsaustausch zusammenfinden. Erstmals traf sich die Gruppe nun in der Raphaelsklinik, nachdem die zuvor genutzten Räume der IKK nicht mehr zur Verfügung standen.
Zum Programm der Treffen gehören auch Vorträge und Reisen, „Wir sind schon nach Trier und Luxemburg gefahren, in diesem Jahr steht Hamburg auf dem Plan“, erklärt Korn und macht klar, dass es sich dabei nicht um reine Vergnügungsfahrten handelt. „Viele Betroffene trauen sich mit einem Stoma kaum noch unter Menschen. Wir möchten zeigen, dass selbst mehrtägige Reisen mit Hotelaufenthalten kein Problem darstellen.“
Den Kontakt zur Raphaelsklinik stellte Olaf Hagedorn her, der in der Klinik als Stoma- und Wundtherapeut arbeitet und bereits mehrere Vorträge bei den Treffen der Deutschen ILCO gehalten hat. Als Gastredner informierte diesmal Prof. Dr. Dr. Matthias Hoffmann über das Problem der Narbenbrüche im Bereich des künstlichen Darmausgangs. Hoffmann ist an der Raphaelsklinik Chefarzt der Abteilung für Allgemein- und Viszeralchirurgie und weiß aus der täglichen Praxis, dass solche Komplikationen nicht selten sind „Zwischen 20 und 70 Prozent aller Patienten mit einem künstlichen Darmausgang leiden unter Narbenbrüchen“. Eine einfache Operation kann die Probleme beseitigen. Auch für den Fall, dass der Narbenbruch nach einer Operation wiederkehrt, weiß der Chirurg Rat: „Heute setzen wir in solchen Fällen moderne Kunststoffnetze während der OP in die Bauchdecke ein.“

Die Selbsthilfevereinigung „Deutsche ILCO“ trifft sich an jedem zweiten Mittwoch des Monats in der Raphaelsklinik. Informationen gibt die Leiterin der Gruppe, Elfriede Korn, Telefon (0251) 72744.

(Michael Bührke)