Cornelia Nienhaus (l.) und Ilona Braun lasen aus ihren Büchern.

Lesungen von Ilona Braun und Cornelia Nienhaus

[29.10.2010]

Es gibt Menschen, die erleben in einem Leben, was auch für drei reichen würde. Für manche Menschen ist dies der Auslöser, um ihre Erfahrungen und Gefühle in einem Buch niederzuschreiben. Zwei von ihnen haben in einer kleinen Lesereihe in der Raphaelsklinik aus ihren Werken gelesen.
Am 8. Oktober las die Iserlohnerin Ilona Braun aus ihrem im eigenen Glückskindverlag erschienenen Buch „Aufbruch – Neue Wege suchen, finden, gehen. Veränderung als Chance“. Ihre Gedichte und Erzählungen sind geprägt von vielen Rückschlägen. In der Kindheit litt sie unter dem strengen Vater und einer schwachen Mutter. Hilfe fand sie damals lediglich bei ihrer Großmutter. Auch die Ehe scheiterte an der Alkoholkrankheit des Ehemannes, die Tochter starb an Leukämie. Vor fünf Jahren brach dann noch völlig unvorbereitet eine Krebserkrankung über die Autorin herein, die sie inzwischen nach schwerem Kampf überwunden hat. Braun hat nach all diesen Rückschlägen nicht resigniert sondern neue Kraft geschöpft, sich mit einer Reise nach Kanada einen Lebenstraum verwirklicht. „Wer fragt ‚warum’ macht sich zum Opfer. Wer fragt ‚wozu’ macht sich zum Akteur, der die Zügel wieder selber in die Hand nimmt“ erklärt sie entschlossen. Die Autorin, die auch als Malerin und Fotografin engagiert ist, verstand es, die Zuhörer zu fesseln. Zitate wie „Wer Spuren hinterlassen will, muss auch bereit sein, fest aufzutreten“ blieben hängen. Begleitet wurde Ilona Braun von der jungen Gitarristin Anna Lena Kurowski aus Menden.
Am 29. Oktober berichtete die 33-jährige Autorin Cornelia Nienhaus aus Bocholt von ihrem Leben, das durch die Diagnose Multiple Sklerose (MS) vollkommen auf den Kopf gestellt wurde. Die tückische Erkrankung kündigte sich zunächst schleichend an. Sie ertrug die Enge im Kino ebenso wenig wie das Anstehen in einer Reihe an der Kasse des Supermarktes. Agoraphobie nennt sich diese Erkrankung, die mit heftigen Panikattacken einhergeht. Irgendwann traten Empfindungsstörungen in der linken Hand auf, sie ging zum Arzt. Die Untersuchungen im engen Computertomografen waren für die junge Frau die Hölle, ständig sprang sie der „Panikteufel“ an, wie sie es in ihrem Buch nennt. Nach mehreren quälenden Tagen im Krankenhaus war klar, dass sie unter einem frühen Stadium der unheilbaren MS-Krankheit litt. Inzwischen konnte die Bocholterin wegen ihrer Angstgefühle kaum noch vor die Tür gehen. In der Reha-Klinik war nach Tests klar, dass eine Umschulung wenig Sinn hätte, die junge Frau musste mit nur 30 Jahren in die Frührente gehen. Die Beziehung zu einem Mann zerbrach, weil dessen Mutter sich für ihren Sohn keine Frau wünschte, die über kurz oder lang im Rollstuhl sitzen würde.
Ähnlich wie Ilona Braun verzweifelte auch Cornelia Nienhaus nicht an ihrem Schicksal sondern schrieb ihre Erlebnisse in ihrer Autobiographie „Einblicke“ nieder, die im Design Pavoni° Verlag erschienen ist. Schreiben als Therapie, bei diesen beiden starken Frauen hat’s funktioniert!
Die für den 14. Oktober geplante Lesung des Münsteraners Ulrich Elsbroek musste wegen der Erkrankung des Autors kurzfristig abgesagt werden.

(Michael Bührke)