Mehr Zeit für die Sorgen der Patienten

[05.02.2006]

Das Essen ist zu kalt, die Wartezeit vor der Untersuchung zu lang oder das Personal schlichtweg zu unhöflich: manch ein Patient fühlt sich im Krankenhaus nicht immer so gut aufgehoben, wie er es sich wünscht. Wenn dann auch noch das Vertrauen zu den Ärzten und dem Pflegepersonal fehlt, schlägt die Stunde des Patientenfürsprechers.

Das Krankenhausgesetz NRW schreibt den Krankenhäusern die Einrichtung einer unabhängigen Stelle vor, die Patientenbeschwerden entgegennimmt und bearbeitet. Um unabhängig arbeiten zu können, darf diese Vertrauensperson nicht am jeweiligen Krankenhaus angestellt sein. Ein solcher Patientenfürsprecher, auch Ombudsmann genannt, ist der emeritierte Ordinarius für Chirurgie in Münster, Prof. Dr. Hermann Bünte. Er ist Ansprechpartner für die Patientinnen und Patienten der Uniklinik.

Während einer Fortbildungsveranstaltung in der Raphaelsklinik sprach Bünte vor Ärzten und Pflegepersonal über seine Erfahrungen in diesem Ehrenamt. Der häufigste Grund für Patientenbeschwerden ist seiner Meinung nach die mangelnde Aufklärung vor einer Untersuchung oder einer Operation durch den Arzt. Hier fühlen sich offenbar viele Patienten von ihrem Arzt schlecht informiert und mit ihren Fragen allein gelassen. Oft sind es auch Mängel in der Organisation, wenn angekündigte Untersuchungen immer wieder verschoben werden und der Patient unnötig warten muss. Nicht selten ist auch ein unfreundlicher Umgangston Grund zur Klage.

"Eine meiner Aufgaben besteht darin, den Frieden wieder herzustellen" charakterisiert Bünte eines der Hauptziele seiner Arbeit. Grundsätzlich hört der Ombudsmann zunächst beide Seiten an, bevor er einen Ausweg sucht. "Viele Probleme sind hausgemacht" stellt er fest, nennt aber auch das Geheimrezept, um Klagen seitens der Patienten von vornherein zu vermeiden "Geduldige und freundliche Mitarbeiter sind fast nie Verursacher einer Beschwerde." Der Chefarzt der Allgemeinchirurgie in der Raphaelsklinik, Priv.-Doz. Dr. Karl-Heinz Dietl, kennt die Probleme im Umgang zwischen Arzt und Patient aus der täglichen Praxis "Die Ärzte in den Krankenhäusern haben immer weniger Zeit, um sich angemessen um die Nöte der Patienten zu kümmern. Dennoch müssen wir unsere Patienten ernst nehmen und auf ihre Sorgen eingehen." Auch Bünte schließt seinen Vortrag mit dem Appell "Die Ärzte dürfen sich niemals die Zeit nehmen lassen, mit dem Patienten zu sprechen, ansonsten ist Medizin nicht mehr Medizin."