Minister besucht Raphaelsklinik

[20.12.2005]

Es herrscht Katerstimmung in der Krankenhauslandschaft Münsters. Der wegen chronisch knapper Kassen von der Landesregierung ausgerufene Bewilligungsstopp für Krankenhausinvestitionen im Jahr 2006 traf Häuser wie die Fachklinik Hornheide oder das Herz-Jesu-Krankenhaus in Münster-Hiltrup hart.

Umso größer ist die Freude auf Seiten der Raphaelsklinik, deren Antrag auf finanzielle Unterstützung des Bauvorhabens „Interdisziplinäre Notaufnahme“ von der Landesregierung „gerade noch“ bewilligt wurde. Um klar zu stellen, dass es gute Gründe für den Bewilligungsstopp gibt, erschien der Minister für Arbeit, Gesundheit und Soziales, Karl-Josef Laumann persönlich in der Klinik, um den Bescheid zu überreichen.
Die Summe von 3,6 Millionen Euro war auf dem unscheinbaren Schriftstück zu lesen, das der Minister im Gepäck hatte. Runde 5 Millionen wird der Umbau in der Klinik wohl kosten, den fehlenden Betrag muss die Raphaelsklinik aus eigenen Mitteln finanzieren. Da die alte Landesregierung, so Laumann während seines Gespräches mit der Klinikleitung, seit 2001 die jährliche Unterstützung der Krankenhäuser von eigentlich 165 Millionen Euro regelmäßig um 85 Millionen überzog, werde er 2006 keine Bewilligungsbescheide unterschreiben. Für 2007 habe er noch keine Entscheidung getroffen.
Nachdenklich stimmte die Aussage Laumanns, dass es keinen Sinn mache „Geld in Strukturen zu investieren, die es in wenigen Jahren nicht mehr geben wird.“ Der Besuch des Ministers bot der Klinikleitung die willkommene Möglichkeit, weitere aktuelle Themen der Gesundheitspolitik zu besprechen. So beklagte der ärztliche Direktor der Raphaelsklinik, Prof. Dr. Claus Spieker, eine übermäßige Zunahme der Bürokratie im Berufsalltag der Mediziner. In ungewohnter Offenheit erklärte der Minister, dass er dies als deutlichen Hinweis auf ein immer stärker werdendes Misstrauen zwischen Krankenkassen, Krankenhäusern und Politikern betrachte.