Präsentieren die neue App „smart medication“ (v. l.): Dr. Berthold Siegmund, Katrin Dagott, Dr. Hartmut Pollmann, Marianne Göhausen und Prof. Dr. Claus Spieker.

Mit der Smartphone-App zum Arzt

[20.03.2014]

Katrin Dagotts sechsjähriger Sohn leidet unter Hämophilie (Bluterkrankheit), einer seltenen Erbkrankheit. Jeden zweiten Tag muss sie ihrem Sohn ein spezielles Präparat spritzen, damit es nicht zu gefährlichen Einblutungen in die Gelenke, die Muskeln oder in das Gehirn kommt. Um zu überprüfen ob die Therapie wirkt, musste sie bislang ein Tagebuch führen, in dem jede Blutung, jeder blaue Fleck und jede Medikamentengabe genau dokumentiert wurde. Eine zeitraubende und lästige Arbeit.

Ihr Arzt, Dr. Hartmut Pollmann, hat gemeinsam mit seinem Mitarbeiter Dr. Berthold Siegmund, einem Kollegen aus Frankfurt und Experten der Uni Marburg nun die App „smart medication“ entwickelt, mit dem Patienten wie dem Sohn von Katrin Dagott das Leben vereinfacht wird ohne die medizinische Überwachung der Erkrankung zu gefährden. „Wir haben Patienten, die zum Teil fast 200 Kilometer entfernt wohnen“, berichtet Pollmann, „dank der neuen App reicht es aus, wenn die Betroffenen zwei Mal pro Jahr statt wie bisher jede Woche zu uns kommen“ freut sich der Experte für Blutgerinnungsstörungen. Einer seiner Patienten studiert zum Beispiel in Greifswald. Dank der App weiß der Mediziner nun jederzeit, ob die Therapie anschlägt oder angepasst werden muss.

„Früher gingen die Tagebücher auch schon mal verloren, auf dem Postweg oder versehentlich. Die Daten aus der App werden sofort verschlüsselt in unsere Praxis übermittelt, am Monitor können wir den Verlauf genau verfolgen“, freut sich Siegmund. „Besonders junge Patienten arbeiten gerne mit der Smartphone-App, das ist moderner als ein Tagebuch“ erläutert Marianne Göhausen, die als Kinderkrankenschwester in der Praxis von Dr. Pollmann im Ambulanzzentrum der Raphaelsklinik arbeitet. „Wir bringen damit das medizinische Fachwissen in die Fläche“, erläutert Pollmann und fügt hinzu, dass die Förderung der Telemedizin auch vom Gesetzgeber gefordert wird. Die App wurde kürzlich mit dem 3. Platz beim Innovationspreis der Verlagsgruppe Springer Medizin ausgezeichnet.

Prof. Dr. Claus Spieker von der Raphaelsklinik erläutert die Vorteile der engen Verzahnung von Praxen und Kliniken wie beim Ambulanzzentrum der Raphaelsklinik: „Die Praxis nutzt das spezialisierte Labor der Raphaelsklinik und wir haben einen Experten an unserer Seite, wenn Patienten mit einer Hämophilie bei uns zum Beispiel operiert werden müssen.“ "Die Raphaelsklinik hat sich durch diese Kooperation zu einem echten Hämophilie-Zentrum entwickelt", ergänzt Pollmann.