Der Urologe Maximilian Cohausz startet das neue Gerät zur Zertrümmerung von Nierensteinen.
Abb.: STORZ MEDICAL AG

Mit Schallwellen gegen Nierensteine

[17.01.2012]

Dass die Kraft des Schalls als Waffe gegen Steine eingesetzt werden kann, wusste man schon zu biblischen Zeiten, als die Israeliten unter der Führung von Josua mit dem Lärm ihrer Trompeten die Mauern Jerichos zum Einsturz brachten. Im kleineren Maßstab und weit weniger spektakulär setzt die Medizin schon seit über 30 Jahren Schallwellen ein, um Steine in den Nieren, in der Blase oder in der Galle zu zertrümmern, ohne einen operativen Eingriff vornehmen zu müssen. Dieses Verfahren nennt sich Lithotripsie. Der Schallkopf wird hierbei von außen auf den Körper aufgesetzt und sendet seine Signale zum Ort der Steinablagerung, nach kurzer Zeit zerfallen die Steine und werden auf natürlichem Wege aus dem Körper transportiert.
Anders als der Chirurg während einer Operation sieht der Arzt bei der Lithotripsie die Steine allerdings nicht direkt, er ist auf das Bild von Röntgen- oder Ultraschallgeräten angewiesen. Bislang erfolgte dieser Blick in den Körper aus einer anderen Richtung als die der Schallwellen, da der klobige Schallkopf im Weg war. An der urologischen Belegabteilung von Dr. Gebhard Cohausz, Dr. Faramarz Palizban, Dr. Walter Otto, Dr. Eckart Gronau und Christian Lötters in der Raphaelsklinik ist jetzt ein Gerät im Einsatz, bei dem dieses Problem erstmals gelöst wurde. Der Schallkopf hat ein Loch, durch das die Röntgenstrahlen hindurchleuchten können, die Behandlung erfolgt somit unter Sicht. Auf einem Monitor erscheinen dabei die Steine in einem Fadenkreuz, sodass der Arzt die Plagegeister problemlos anvisieren kann. Was einfach klingt, ist technisch sehr kompliziert und so sind deutschlandweit erst zwei dieser Geräte im Einsatz. Nach dem Eingriff müssen die Patienten nur noch reichlich trinken und sich möglichst viel bewegen, dann werden die zerbröselten Steine mit dem Urin ausgeschieden.
Gleich beim ersten Einsatz des Gerätes gab es eine weitere Premiere: Erstmals wurde bei diesem Verfahren auf die sonst üblichen Medikamente gegen Schmerzen und zur Beruhigung verzichtet und stattdessen durch die Expertin für chinesische Medizin, Dr. Chandra Otto, Akupunktur zur Schmerzausschaltung eingesetzt. Mit durchschlagendem Erfolg. „Der Patient war vollkommen ruhig und absolut schmerzfrei“ berichtet der Urologe Maximilian Cohausz begeistert.