1930
2010
Die Marien-Darstellung wurde im Krieg zerstört.
1.500 Quadratmeter Kupfer wurden verbaut.
Detail im Treppenhaus: Das Jahr der Eröffnung.
Panorama mit historischem Hochhaus und modernem Klinikteil.

Münsters erstes Hochhaus wird 80!

[13.12.2010]

Das älteste Hochhaus Münsters, der Turm der Raphaelsklinik mit dem markanten Kupferdach, wurde in diesen Tagen 80 Jahre alt. Ende der 1920er Jahre platzte die Raphaelsklinik entlang der Klosterstraße aus allen Nähten, ein Erweiterungsbau musste her, nur war der Platz in Münsters Innenstadt rar. Durch geschickte Grundstückskäufe entlang der heutigen Windthorststraße war es den Clemensschwestern möglich, dennoch mit dem Bau zu beginnen.

Für die benötigte Bettenzahl reichte die Fläche, die in etwa der Hälfte eines Handballfeldes entsprach, bei der üblichen Geschosszahl nicht aus, es musste sechsgeschossig in die Höhe gebaut werden. So erfolgte am 3. Dezember 1928 der Spatenstich. Probleme gab es mit dem Untergrund aus Fließsand und Grundwasser, der den Beton für die Bodenplatte versickern ließ. Ein außergewöhnlich kalter Winter mit Temperaturen unter minus 20 Grad ließ jedoch den Boden steinhart gefrieren und ermöglichte so die Betonierung. Architekt war der Regierungsbaumeister Carl Brocker aus Düsseldorf.

Die Höhe des Gebäudes von 35,5 Metern hätte bei konventioneller Bauweise eine enorme Belastung für das Fundament bedeutet. Daher entschied man sich für eine moderne Stahlskelettbauweise mit Ausfachungen aus dünnem Mauerwerk. Die Wände des oberen Teils wurden aus Leichtbeton gegossen und mit nur 0,7 Millimeter dünnem Kupferblech verkleidet. Dieses vergleichsweise edle Metall sollte neben dem geringen Gewicht auch eine längere Haltbarkeit bewirken als andere Baustoffe der damaligen Zeit. Verarbeitet wurden mehr als 1500 Quadratmeter Kupfer. „Hoch erhebt sich der Bau in seiner klaren Zweckform und Großzügigkeit über den Lärm und Staub der Straße. Wohltuend wirkt die Ruhe, die reine Luft der sonnendurchfluteten Krankenräume der oberen Geschosse“, heißt es in der Chronik der Clemensschwestern aus jener Zeit. Am 13. Dezember 1930 wurden die neuen Räume von Erzbischof Dr. Johannes Poggenburg geweiht.

Die Bauweise bot den Kindern und Müttern auf der Entbindungsstation in über 25 Metern Höhe viel Licht und frische Luft, es gab eine Sonnenterrasse sowie Spiel- und Turngeräte. Der Erweiterungsbau der Raphaelsklinik schenkte Münster für kurze Zeit ein neues Wahrzeichen, eine über neun Meter hohe Madonnendarstellung aus Kupferblech des Clever Bildhauers Gerd Brüx. Diese wurde allerdings rund 14 Jahre später im zweiten Weltkrieg zerstört und nicht wieder rekonstruiert.

(Michael Bührke)