Geduldig lässt sich Samra von Dr. Albrecht Krause-Bergmann und Dr. Frank Fischer (v. l.) untersuchen.
Antonia Rosenberg, Kadisha Harakat, Samra Harakat, Dr. Albrecht Krause-Bergmann und Dr. Frank Fischer (v. l.) während des Pressetermins.
Dr. Frank Fischer und Dr. Albrecht Krause-Bergmann im Pressegespräch.
Antonia Rosenberg, Kadisha und Samra Harakat (v. l.) bei Fernseinterview.

Münstersche Ärzte operieren marokkanisches Mädchen

[12.03.2013]

Immer wieder streichelt die kleine Samra behutsam den großen weißen Stoffeisbären, den sie von den Mitarbeitern der Raphaelsklinik geschenkt bekam. Ihre Hände sind noch etwas geschwollen, Pflaster bedecken die Operationsnarben und dünne Drähte schauen aus der Haut einer Hand. In ein paar Monaten wird kaum noch etwas auf den Eingriff hinweisen, der das Leben der vierjährigen Marokkanerin tiefgreifend verändert hat.

Samra Harakat kam mit einer ungewöhnlichen Fehlbildung auf die Welt, sie hatte sechs Finger an jeder Hand. „Diese Anomalie behinderte das Mädchen stark beim Greifen, außerdem bestand immer die Gefahr, dass sie mit dem sechsten Finger irgendwo hängenbleibt“ erläutert Dr. Frank Fischer, leitender Oberarzt der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie der Raphaelsklinik. Gemeinsam mit seinem Kollegen Dr. Albrecht Krause-Bergmann, leitender Arzt der Abteilung für Plastische und Ästhetische Chirurgie der Fachklinik Hornheide, hat er in einem zweieinhalbstündigen Eingriff die Fehlbildung operiert.

Dabei standen nicht nur die körperlichen Einschränkungen im Fokus, „Menschen, die eine solche Fehlbildung haben, stehen außerhalb der sozialen Kontakte“ erläutert Krause-Bergmann und führt weiter aus, dass Menschen mit sechs Fingern pro Hand in Samras Heimat als Unglücksbringer gelten. Samra hingegen hatte großes Glück, sie kennt die Krankenschwester Antonia Rosenberg, die in der Zentralen interdisziplinären Aufnahme der Raphaelsklinik arbeitet. Der Kontakt mit Samras Familie entstand während eines Marokkoaufenthaltes und setzte sich über die Urlaubszeit hinaus fort. Rosenberg wusste von Fischers und Krause-Bergmanns gemeinsamem ehrenamtlichen Engagement in Indien, wo beide regelmäßig Patienten der ärmsten Schichten kostenlos operieren.

Über zahlreiche bürokratische Hürden hinweg organisierte die Krankenschwester den Transport von Samra und ihrer Mutter Kadisha Harakat nach Münster, beide wohnen während der Behandlung bei Antonia Rosenberg. „Ich bin superfroh, dass der kleinen Maus ein neues Leben ermöglicht wird, wie es sich jedes kleine Mädchen wünscht“, freut sich Rosenberg. Die Raphaelsklinik stellte die OP-Kapazitäten und das Krankenzimmer kostenlos zur Verfügung, das gesamte OP-Team hat ehrenamtlich zum Gelingen des komplizierten Eingriffs beigetragen.