Neue Berufe im Krankenhaus: Der Medizinökonom

[27.04.2004]

"Ein Krankenhaus, das althergebrachte Strukturen ohne Überprüfung weiter beibehält, wird vermutlich nicht mehr lange am Markt sein." behauptet einer, der weiß wovon er spricht. Jürgen Helmers ist seit 14 Jahren Krankenpfleger, hat lange in der Anästhesie und Intensivmedizin der Raphaelsklinik gearbeitet und kennt den Krankenhausbetrieb genau. Seit zwei Jahren studiert er in Paderborn am Bildungszentrum für informationsverarbeitende Berufe (b.i.b.) Fachinformatik Medizinökonomie.

Das zweijährige Studium mit dem komplizierten Namen ist ein echter Vollzeitjob, für Familie und Freunde bleibt kaum Zeit übrig. Der Münsteraner hat sich im Studienort ein Zimmer genommen, um keine Zeit durch das Pendeln zu verlieren, denn nach der Uni ist Büffeln angesagt.

Zusammen mit seinem Kommilitonen Michael Dann absolviert Helmers gegenwärtig ein zweimonatiges Studienprojekt in der Raphaelsklinik, es geht um die kürzlich bundesweit eingeführten Fallkostenpauschalen (DRG). "

Es gibt von den Krankenkassen für jede Erkrankung eine festgelegte Summe, damit müssen die Krankenhäuser auskommen. Wir überprüfen in unserem Projekt, ob die vorhandenen Strukturen der Datenverarbeitung diesen Anforderungen standhalten." Erläutert Helmers, während auf seinem Monitor im Computerraum der Raphaelsklinik Patientenschicksale zu Zahlenkolonnen werden.

Das Thema ist hochaktuell und entsprechend groß ist das Interesse der Klinikleitung. Schon lange vor Einführung der DRG hat sich das EDV-Team der Raphaelsklinik mit der elektronischen Umsetzung der neuen Fallpauschalen auseinandergesetzt, von dem Studienprojekt erhoffen sie sich neue Impulse.

Ein Krankenhaus ohne Computer können sich Helmers und Dann nicht mehr vorstellen. Laborergebnisse werden heute nicht mehr von Hand in die Patientenakten eingetragen sondern direkt nach der Blutuntersuchung im Labor auf den Stationen ausgedruckt, die Patienten werden über den Stationscomputer zum Röntgen oder zum EKG angemeldet.

Der sinnvolle Einsatz des Computers im Klinikalltag kann Zeit sparen, die wieder in die eigentliche Pflege des Patienten investiert werden kann. "Der Mitarbeiter muss verstehen, dass der Computer kein Gegner ist, sondern ein Instrument, das ihnen Arbeit abnimmt oder erleichtert." Umreißt Dann eine seiner bevorstehenden Aufgaben im Klinikalltag.

Für die Zukunft sieht er die Einführung der elektronischen Patientenakte, Papier könnte somit auf längere Sicht überflüssig werden. Das gesetzlich vorgeschriebene Lagern der schriftlichen Unterlagen über einen Zeitraum von mindestens zehn Jahren oder teure Mikroverfilmungen würden überflüssig werden.

Dass die vielen unterschiedlichen Computerprogramme im Krankenhaus problemlos miteinander zusammenarbeiten, ist eine der größten Herausforderungen für die zukünftigen Medizinökonomen. "Von der Aufnahme über die einzelnen Behandlungen bis zur Entlassung sollte der gesamte Aufenthalt des Patienten im Computer erfasst und die Daten vernetzt verfügbar sein." Wünscht sich Helmers vom Krankenhaus der Zukunft.

Ihre Berufsaussichten bewerten Helmers und Dann durchaus positiv, auch wenn die Krankenhäuser gegenwärtig zum Sparen gezwungen sind. "Denn schließlich" so Helmers "spart unsere Arbeit durch die Optimierung von Arbeitsabläufen auch eine Menge Geld ein." Ein Argument, das jeder Klinikchef in Deutschland zurzeit gerne hört.