Dr. Evangelos Saliveros und Dr. Eckart Gronau (v.l.) mit der neuen Plasmaelektrode

Neue Operationstechnik hilft bei Vergrößerung der Prostata

[20.05.2009]

Neue Operationstechnik hilft bei Vergrößerung der Prostata

Eigentlich klingt es nicht gerade nach einem schonenden Operationsverfahren, das die münsterschen Urologen Dr. Gebhard Cohausz, Dr. Faramarz Palizban, Dr. Walter Otto und Dr. Eckart Gronau vorstellen: „Bei der bipolaren Vaporisation wird das erkrankte Gewebe mit Kochsalzlösung gespült und dann mit einer Plasmaelektrode verdampft.“ Dennoch ist das Verfahren nahezu unblutig und lässt das Gewebe schneller verheilen als bei den bisher üblichen Eingriffen. Genutzt wird diese Technik, die erst seit einem Jahr in Deutschland auf dem Markt ist, bei gutartigen Vergrößerungen der Prostata.

Die urologische Belegabteilung der Raphaelsklinik ist bundesweit eine der ersten, die dieses Verfahren anwendet. Durch die Harnröhre, also ohne den Einsatz des Skalpells, wird die dünne Elektrode an den Operationsort geschoben. An der Spitze entsteht durch den Stromfluss ein „Dampfpolster“, das über die Oberfläche der vergrößerten Prostata gleitet und schichtweise Material abträgt, bis die Drüse ihre normale Größe von der einer Kastanie wiedererlangt hat. „Das Verfahren eignet sich besonders gut bei Patienten, die gerinnungshemmende Mittel wie Marcumar oder Aspirin nehmen müssen“, erläutern die Experten die Vorzüge des Verfahrens. Selbst bei Menschen mit Hämophilie (Bluterkrankheit) kann auf diese Weise schonend operiert werden.

Die Vergrößerung der Prostata ist weit verbreitet, ab 60 leidet etwa jeder dritte Mann an dieser Volkskrankheit, die zu Schmerzen und Behinderungen beim Wasserlassen führt.
Über 1250 operative Eingriffe nahmen die Urologen an der Raphaelsklinik im vergangenen Jahr vor, inzwischen musste die Zahl der Belegbetten von 21 auf 25 erhöht werden, um alle Patienten unterbringen zu können. Seit drei Wochen erweitert außerdem Dr. Evangelos Saliveros als weiterer Urologe das Team. Vor und nach der OP kümmert sich auf Wunsch die Ärztin Dr. Chandra Otto, die sich auf Akupunktur und chinesische Medizin spezialisiert hat, um die Patienten. „Viele Nebenwirkungen der Operation oder der Medikamente können mit Hilfe der Akupunktur deutlich reduziert werden“, berichtet die Expertin aus dem klinischen Alltag.

(Michael Bührke)