Während der Pressekonferenz (v. l.): Dr. Theodor Windhorst, Prof. Dr. Claus Spieker, Dr. Achim Schuster und Octavian Bilt.
Prof. Dr. Claus Spieker (l.) im Gespräch mit Dr. Theodor Windhorst.
Gruppenbild mit zukünftigen Hausärzten: Die beiden ersten Teilnehmer Matthias Aymanns und Octavian Bilt umrahmt von den Initiatoren des neuen Weiterbildungsverbundes.

Neuer Weiterbildungsverbund im Kampf gegen den Hausärztemangel

[20.05.2010]

Er ist immer für seine Patienten ansprechbar und setzt sich für sie ein, gerne auch außerhalb der Arbeitszeit und nicht nur bei medizinischen Problemen. Er wird geschätzt und respektiert und über seiner schmucken Praxis im Landhausstil scheint stets die Sonne: Der Hausarzt. Diese Klischees, die viele Fernsehserien in schöner Regelmäßigkeit über ihre Zuschauer ergießen, scheinen zumindest auf den medizinischen Nachwuchs nur geringen Eindruck zu machen. Die Begeisterung für eine Zukunft als Hausarzt ist unter jungen Ärzten gering, der Nachwuchsmangel bedroht die medizinische Versorgung gerade im ländlichen Bereich, aber nicht nur dort.

Dabei ist nicht nur der Beruf des Hausarztes in den Augen vieler Ärztinnen und Ärzte unattraktiv, auch der Weg dorthin ist mühsam und kompliziert. Die Raphaelsklinik geht in Kooperation mit dem Hausärzteverbund Münster (HVM) und der Ärztekammer Westfalen-Lippe (ÄKWL) neue Wege, um die Attraktivität der Weiterbildung zum Hausarzt zu steigern. In einem neuartigen Verbund, der den Einsatz in der Klinik und in der Praxis eines niedergelassenen Hausarztes kombiniert, durchläuft der Kandidat einen strukturierten Weiterbildungsweg, der ihm viel lästige Vorarbeit erspart. Die Initiatoren Prof. Dr. Claus Spieker, Chefarzt an der Raphaelsklinik und Dr. Armin Schuster, erster Vorsitzender des HVM, sehen auch für sich viele Vorteile: „Wer in einer Hausarztpraxis gelernt hat, bringt völlig neue Erfahrungen und Perspektiven mit, von denen wir im Krankenhaus sehr profitieren können“, erläutert Spieker während sein niedergelassener Kollege Schuster auch auf einen Imagegewinn für seinen Beruf hofft: „Ich bin fürchterlich gerne Hausarzt und es tut mir weh, wenn unser Beruf ständig in einem schlechten Licht dargestellt wird.“

Dr. Theodor Windhorst, Präsident der ÄKWL, ist begeistert von dem Engagement der beiden Mediziner und freut sich, dass nun „endlich nicht mehr geredet sondern gehandelt wird.“ An der Raphaelsklinik wurde für den Weiterbildungsverbund eigens eine neue Stelle geschaffen, wofür es vom Präsidenten der Ärztekammer ebenfalls ein dickes Lob gab, das Krankenhaus würde dadurch zum verlässlichen Partner werden. „Wir möchten dadurch für den medizinischen Nachwuchs auch zukünftig attraktiv bleiben“, beschreibt der Geschäftsführer der Raphaelsklinik, Hartmut Hagmann, eine „Nebenwirkung“ des neuen Weiterbildungsverbundes.

Matthias Aymanns und Octavian Bilt sind die ersten beiden jungen Ärzte, die jetzt den Weiterbildungsvertrag unterschrieben haben, beide waren von der Stellenausschreibung begeistert. So wie ihnen ging es vielen Nachwuchsmedizinern. „Die Bewerberzahlen lagen rund fünf bis sechs Mal höher als bei früheren Ausschreibungen“, freut sich Spieker, der die Auswahl gemeinsam mit seinem Kollegen Schuster durchführte.

„Die enge Zusammenarbeit zwischen den Kliniken und den Praxen niedergelassener Ärzte ermöglicht jungen Kolleginnen und Kollegen eine Weiterbildungszeit aus einem Guss“, begrüßt Windhorst den Start des münsterschen Weiterbildungsverbundes als wichtigen Beitrag zur Förderung des ärztlichen Nachwuchses und somit gegen den drohenden Ärztemangel.

(Michael Bührke)