Erfolgreiche Teamarbeit: Spezialisten der Raphaelsklinik kooperieren erfolgreich gegen Bauchspeicheldrüsenkrebs.
Erfolgreiche Teamarbeit: Spezialisten der Raphaelsklinik kooperieren erfolgreich gegen Bauchspeicheldrüsenkrebs.

Neues OP-Verfahren beim Krebs der Bauchspeicheldrüse

[29.11.2010]

Die Erleichterung ist dem Patienten noch deutlich anzumerken, die außergewöhnliche Operation, die kürzlich an der Raphaelsklinik durchgeführt wurde, war für ihn wie ein vorzeitiges Weihnachtsgeschenk. Nur wenige Wochen zuvor erhielt er von seinem Arzt die niederschmetternde Diagnose: Bauchspeicheldrüsenkrebs. Diese Krankheit ist auch heute noch schwierig zu erkennen und wird häufig erst im fortgeschrittenen Stadium entdeckt. Eine Heilungschance haben Patienten nur dann, wenn der Tumor operativ komplett entfernt werden kann. Ist der Tumor nicht mehr auf das Organ beschränkt und ummauert er den Hauptstamm der Leberarterie, so konnte er bisher nicht mehr operiert werden, da eine ausreichende Durchblutung der Leber nach der Operation gefährdet war.

Mithilfe eines neuen, in Japan entwickelten Operationsverfahrens ist es jedoch möglich, auch einen solch zunächst inoperablen Tumor zu entfernen. Eingriffe dieser Art werden bislang nur an großen medizinischen Zentren wie der Charité Berlin durchgeführt. Voraussetzung für die Durchführung ist hierzu zunächst, dass wenige Tage vor der Operation in einem kleinen Eingriff von der Leiste aus die Hauptleberarterie verschlossen wird und sich daraufhin für die Leberdurchblutung Umgehungskreisläufe ausbilden. „Dies ist vergleichbar mit einem Stau auf der Autobahn, bei dem der Verkehr dann auf die Landstraßen ausweicht“ beschreibt der Chefarzt der Allgemein- und Viszeralchirurgie, Prof. Dr. Dr. Matthias Hoffmann, das Prinzip dieser sogenannten Embolisation.
Erstmals wurde diese Methode jetzt in der Raphaelsklinik durch die enge Kooperation der Abteilungen für Allgemein- und Viszeralchirurgie, Gastroenterologie und Radiologie erfolgreich durchgeführt. Bei dem 68-jährigen Patienten wurde vom Chefarzt der Medizinischen Klinik II (Gastroenterologie), Priv.-Doz. Dr. Ulrich Peitz, ein Tumor der Bauchspeicheldrüse festgestellt, der bereits in den Hauptstamm der Leberarterie und die Milzarterie einwuchs. „Zur Untersuchung nutzten wir die Endo-Sonographie, bei der an der Spitze eines Endoskops statt einer Optik ein Ultraschallkopf angebracht ist“, erklärt der Gastroenterologe während der Pressekonferenz.
Zunächst wurde die Leberarterie in der Radiologie vom Chefarzt Manfred Pützler mit Mikrospiralen von der Leiste aus verschlossen. Nachdem sich wie gewünscht die Umgehungskreisläufe ausgebildet hatten, erfolgte in einem zweiten Schritt die vollständige operative Tumorentfernung einschließlich der nun überflüssig gewordenen Leber- und Milzarterie durch Prof. Hoffmann.
Der Patient erholte sich anschließend rasch von dem Eingriff und konnte zwei Wochen nach der Operation nach Hause entlassen werden. „Jetzt kann ich schon auf dem münsterischen Weihnachtsmarkt eine Bratwurst essen!“ freut sich der Münsteraner über die erfolgreiche Kooperation der drei Experten und ihrer Teams. Die Mediziner hoffen, mit diesem Verfahren den Krebs der Bauchspeicheldrüse öfter als bisher durch eine Operation mit potenziell heilendem Ansatz behandeln zu können.

(Michael Bührke)