Neues OP-Verfahren bringt Hoffnung für Enddarmerkrankte

[26.11.2008]

Erkrankungen im Enddarmbereich sind für die meisten Menschen ein Tabu-Thema. In vielen Fällen ziehen sich die Betroffenen sogar nach und nach aus dem öffentlichen Leben zurück. Dabei kann das Skalpell des geschulten Chirurgen bei zahlreichen Beschwerden für Heilung sorgen. Die Abteilung für Koloproktologie der Raphaelsklinik gilt als eines der führenden Zentren Deutschlands auf dem Gebiet der Enddarmchirurgie.

Die chronische Stuhlentleerungsstörung stellt eine häufige Erkrankung mit vielfältigen Ursachen dar. Meist liegen komplexe Störungen der Beckenbodenfunktion sowie anatomische und strukturelle Veränderungen der Beckenorgane vor, die zunächst durch spezielle Untersuchungen durch den erfahrenen Mediziner erkannt werden müssen. Betroffen sind überwiegend Frauen in der zweiten Lebenshälfte.

Dank innovativer Methoden hat sich die operative Therapie chronischer Stuhlentleerungsstörungen in den letzten Jahren stark gewandelt. Ziel dieser neuen Methoden ist die Wiederherstellung der natürlichen anatomischen Verhältnisse, was früher meist nur durch größere Baucheingriffe möglich war. Durch neu entwickelte Klammernahtgeräte bestehen jetzt schonendere Verfahren, die durch den After ausgeführt werden können. Seit mehreren Jahren gibt es bereits das S.T.A.R.R.-Verfahren (Stapled Transanal Rectal Resection), das insbesondere beim inneren Enddarmschleimhautvorfall eingesetzt wird. Zunächst konnten auf diese Weise jedoch nur kleinere Enddarmschleimhautvorfälle entfernt werden. Inzwischen wurde das Verfahren weiter entwickelt, so dass auch größere innere und sogar äußere Enddarmvorfälle mit dem seit 2007 neu zur Verfügung stehenden Contour-Transtar-Gerät operiert werden können. Die Vorteile für die Patienten sind vielfältig: da der operative Eingriff durch die Bauchdecke entfällt, ist auch keine Vollnarkose notwendig, eine Rückenmarkskanalanästhesie reicht aus. Auch störende Narben entfallen.

Die Operation darf nur von speziell geschulten Chirurgen ausgeführt werden. Voraussetzung für die Anwendung ist die Teilnahme an einem Trainingskurs im European Surgical Institute in Norderstedt bei Hamburg. Dieser Kurs wurde von Dr. med. Thomas Roßmüller, Oberarzt des Departments für Koloproktologie der Raphaelsklinik, erfolgreich absolviert. Zur „Endabnahme“ kam der Spezialist Dr. Roland Scherer vom Krankenhaus Waldfriede aus Berlin angereist, um Roßmüller bei den ersten drei OPs an der Raphaelsklinik zu assistieren, bevor dieser das OP-Verfahren zukünftig alleine durchführen wird. Als „sehr gut“ bezeichnete er die Arbeit seines Kollegen. Somit ist die Koloproktologische Abteilung der Raphaelsklinik ab heute im weiteren Umkreis die einzige, die dieses innovative Operationsverfahren anbieten kann.

(Michael Bührke)