Operieren im Schein der Taschenlampe: Dr. Frank Fischer im indischen Katra-Hospital.

Operieren mit der Taschenlampe

[25.04.2012]

Die Luft ist stickig und heiß in dem kleinen OP-Saal im Katra-Hospital, manchmal fällt ohne Vorankündigung das Licht aus. „Dann beleuchten die Kollegen den Operationsbereich mit der Taschenlampe“ berichtet der leitende Oberarzt der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie der Raphaelsklinik, Dr. Frank Fischer. Zusammen mit fünf weiteren Medizinern aus Münster reiste er für zwei Wochen in das zentralindische Katra, rund 750 Kilometer südöstlich der Hauptstadt Neu Delhi.

Koordiniert wurde der Einsatz von Dr. Albrecht Krause-Bergmann, Chefarzt an der Fachklinik Hornheide und finanziert von dem gemeinnützigen Verein pro-interplast Seligenstadt e. V., der Auslandseinsätze plastischer Chirurgen in Entwicklungsländern ermöglicht. Die Hilfsbereitschaft, die Fischer und seine Kollegen bereits vor der Abreise erlebten, übertraf ihre Erwartungen: „Wir fragten bei einem Hersteller für Verbandmaterial an, ob er uns ein paar Kartons spenden könnte. Geliefert hat uns die Firma eine komplette Palette mit sterilen Wickeln, Kompressen, Pflastern und anderen Dingen, die wir in Indien dringend benötigten“ berichtet der Oberarzt noch immer beeindruckt. Die Medikamente hingegen wurden von der Zentralapotheke des Maria Josef Krankenhauses in Greven zum Selbstkostenpreis abgegeben und von der Raphaelsklinik finanziert.

In Indien warteten die Menschen bereits auf die Ärzte aus Deutschland, über die Schulen und Pfarrgemeinden wurde die Information über die Ankunft der Mediziner in der Region verbreitet, „aus bis zu 400 Kilometern Entfernung kamen die Patienten angereist“, berichtet der Chirurg. Jeden Tag arbeitete das Team bis in die Abendstunden hinein. Neben vielen Verbrennungsnarben und genetisch bedingten Fehlbildungen mussten auch einige Kiefer-Gaumen-Spalten operiert werden. „Dabei ging es nicht um Kosmetik“, berichtet Fischer, „In manchen Regionen Indiens gelten diese Fehlbildungen als unheilbringend, die Betroffenen werden gemieden und finden selten Ehepartner.“

Dr. Frank Fischer war bereits im vergangenen Jahr in Katra, vieles hat sich in der Zwischenzeit verbessert, aus Spendenmitteln wurde ein neuer Ambulanzbereich mit Wartezimmern und Untersuchungsräumen gebaut. „Besonders wichtig sind aber die vielen engagierten Menschen vor Ort wie die Anästhesistin Dr. Lily, die uns bei unserer Arbeit immer sehr unterstützt hat“ erklärt Fischer.

Informationen zum Einsatz in Entwicklungsländern liefert die Seite www.pro-interplast.de