Operieren wie der Chirurg - OP-Workshop in der Raphaelsklinik

[08.04.2011]

Die Geräuschkulisse erinnert an eine Baustelle, dass hier spezialisierte Pflegekräfte gerade Feinarbeit leisten, wird erst beim näheren Hinsehen deutlich. 40 OP-Schwestern und -Pfleger aus dem gesamten Bundesgebiet sind in der Raphaelsklinik zusammen gekommen, um bei einem zweitägigen Workshop die Instrumenten und Werkzeuge auszuprobieren, die üblicherweise vom Chirurgen während eines Eingriffs am Knie, an der Hüfte oder am Schultergelenk angewendet werden. Als „Patienten“ müssen Knochenmodelle herhalten, deren Material dem des natürlichen menschlichen Knochens sehr ähnlich ist.

„Es geht darum, dass OP-Schwestern und Chirurgen während des Eingriffs auf Augenhöhe zusammenarbeiten. Beide Berufsgruppen sind Partner, nicht Handlanger“, erläutert einer der beiden Organisatoren der Veranstaltung und leitender Oberarzt der Klinik für Unfall- und orthopädische Chirurgie der Raphaelsklinik, Dr. Bernhard Egen. Angelika Witte, die als Leiterin des Zentral-OPs gemeinsam mit Egen das Konzept erarbeitet hat, verweist auf die schwierige Personalsituation im OP-Saal: „In manchen Kliniken können gar nicht so viele Operationen durchgeführt werden, wie eigentlich möglich wären, weil das Personal fehlt.“ In Workshops wie dem in der Raphaelsklinik sieht die OP-Schwester einen möglichen Ausweg aus dem Dilemma: „Je kompetenter man in dem ist, was man macht, desto mehr Freude hat man an der Arbeit und desto geringer ist der Wunsch, den Beruf zu wechseln.“

Egen verweist auf das breite Spektrum an Instrumenten, das während einer Knochenoperation zum Einsatz kommt. Weit über 100 unterschiedliche Geräte sind es, die von der Pflegekraft vorbereitet und angereicht werden müssen, da sehen es Witte und Egen als großen Vorteil, wenn die OP-Schwester oder der OP-Pfleger mit den Geräten schon gearbeitet hat. „Die OP-Schwester muss vorausschauend handeln und schon im Voraus wissen, welches Instrument als nächstes drankommt“ sagt der Chirurg und fügt hinzu „Die Geräte werden immer komplizierter und man bekommt für die Abläufe ein wesentlich besseres Gefühl, wenn Bohrer oder Säge bereits selber mal ausprobiert hat.“

Rund 560 Interessierte haben sich um die Teilnahme beworben, nur 40 konnten angenommen werden. „Die Seminare sind bereits bis Ende 2012 ausgebucht“ freuen sich Egen und Witte über den Erfolg ihrer Idee, die in Deutschland von keiner anderen Klinik angeboten wird.

(Michael Bührke)