Politiker besuchen Raphaelsklinik

[10.02.2005]

In Zeiten zunehmender Bürokratie, steigenden Kostendrucks und gravierender Einsparungen im Gesundheitswesen sind die meisten Krankenhäuser gegenwärtig auf Politiker nicht gerade gut zu sprechen. Umso erstaunlicher ist es, wenn sich diese aktiv um den Kontakt zu einem solchen Krankenhaus bemühen um sich vor Ort über dessen Probleme zu informieren. Der Landtagsabgeordnete Dr. Stefan Romberg und der Landtagskandidat Arne Reuter, beide FDP, wagten diesen Schritt und statteten der Raphaelsklinik einen Besuch ab.

Was sie zu hören bekamen, war erwartungsgemäß wenig Positives zum Thema Gesundheitspolitik. Vor allem in den vergangenen zehn Jahren sei es zu einem enormen Zuwachs an Gesetzten und Verordnungen im Gesundheitswesen gekommen, wie Gregor Hellmons, Geschäftsführer der Krankenhausträgergesellschaft Misericordia GmbH beklagt, die oft schon wieder abgeändert und verworfen wurden, bevor die Krankenhäuser darauf hätten reagieren können.

Auch Martin Kösters, Geschäftsführer der Raphaelsklinik, nutzte den Politikerbesuch, um auf zentrale Probleme im heimischen Gesundheitswesen hinzuweisen. „Zum einen erwartet man von uns, dass wir wie ein Wirtschaftsunternehmen denken und handeln sollen. Zum anderen wird uns vorgeschrieben, wie viele Patienten wir pro Jahr behandeln dürfen. Ein Automobilhersteller wird auch nicht bestraft, wenn er mehr Autos baut als zuvor angenommen.“

Der ärztliche Direktor der Klinik, Prof. Dr. Claus Spieker, verdeutlicht das Dilemma dieser Politik „Wir können doch keinem Patienten mit gutem Gewissen sagen, dass er seinen Herzschrittmacher oder sein künstliches Hüftgelenk erst im kommenden Jahr bekommt, bloß weil wir im laufenden Jahr unsere Zahl an Implantationen bereits erreicht haben.“ Die Krankenhäuser bekommen beim Überschreiten des mit den Krankenkassen ausgehandelten Budgets nur noch maximal 35 Prozent der ursprünglichen Vergütung erstattet. Das reicht nicht mal aus, um die Materialkosten zu bezahlen. Spieker fügt hinzu „Viele Patienten haben ja auch Schmerzen. Die können wir doch nicht mit Schmerzmitteln abdecken und wieder nach Hause schicken, bis wir wieder operieren dürfen!“

Auch der Landtagsabgeordnete Romberg, der selber Arzt ist und vor zehn Jahren in der Raphaelsklinik gearbeitet hat, wundert sich zum Abschluss seines Besuchs in der Raphaelsklinik „die zunehmende Bürokratie in den Krankenhäusern führt zur wachsenden Unzufriedenheit des Personals, dennoch kommt es nirgendwo zu Protesten.“