Dr. Erik Allemeyer und Marianne Hessling zeigen anhand einer Computersimulation, wo die Elektroden des Sakralnervenstimulators liegen.

Sakralnervenstimulation - Stromimpulse steuern den Schließmuskel

[10.06.2013]

So wie Marianne Hessling geht es vielen Menschen in Deutschland. Der Unterschied: die 61-Jährige sprach mit ihren Hauarzt über ihre Probleme und der schickte sie zu den Experten der Sektion für Proktologie der Raphaelsklinik. Hessling litt unter einer Stuhlinkontinenz, sie hatte Probleme, den Stuhlgang zu kontrollieren. „Das Leben wurde davon bestimmt, immer zu wissen, wo gerade eine Toilette in der Nähe ist“, schildert die Gronauerin.

Nach einer Darmoperation hat der Schließmuskel seine Funktion verloren, eine Komplikation mit weitrechenden Folgen. Marianne Hessling hielt sich überwiegend nur noch zuhause auf, an Reisen war nicht mehr zu denken. Rund ein Viertel aller Menschen über 70 leiden unter Stuhlinkontinenz. Gymnastik, Pilates oder auch Operationen führen vielfach nicht zum gewünschten Ergebnis. In der Raphaelsklinik empfahl man ihr daher die Implantation eines Gerätes zur Sakralnervenstimulation, das ähnlich einem Herzschrittmacher im Bereich des Kreuzbeins regelmäßig elektrische Impulse an die Nerven aussendet, die den Schließmuskel steuern. Als Folge werden Nervengeflecht und Schließmuskel dazu stimuliert, ihre Funktion wieder aufzunehmen.

Ein Eingriff mit hohen Erfolgsaussichten, wie der Leiter der Sektion für Proktologie der Raphaelsklinik, Dr. Erik Allemeyer, bestätigt. Seine Abteilung hat in den letzten Jahren sehr gute Erfahrungen mit diesem risikoarmen Eingriff gemacht. Allemeyer hat zunächst eine Elektrode am Ende eines hauchdünnen Kabels in die richtige Position gebracht, um die Nerven im Bereich des Kreuzbeins anzuregen. Dieses Kabel wurde für ein paar Wochen außerhalb des Körpers an ein Steuergerät angeschlossen, das die Patientin selber einstellen konnte. Nachdem klar war, dass die Therapie erfolgreich sein würde, verlegte der Mediziner während eines kurzen Eingriffs das endgültige Gerät im Bereich des Beckenkamms unter die Haut. Seither arbeitet der Sakralnervenstimulator selbstständig und mit großem Erfolg. „Für mich hat ein ganz neues Leben begonnen“ freut sich Marianne Hessling.

So funktioniert der kurze Eingriff, bei dem die Elektrode eingesetzt wird: