Ilona Muddemann (li.) spielt mit Sariaka Rakotondratsimba im Aufenthaltsbereich der Kurzzeitpflege der Raphaelsklinik Mensch-ärgere-dich-nicht.
Ilona Muddemann (li.) spielt mit Sariaka Rakotondratsimba im Aufenthaltsbereich der Kurzzeitpflege der Raphaelsklinik Mensch-ärgere-dich-nicht.
Ilona Muddemann (li.) spielt mit Sariaka Rakotondratsimba im Aufenthaltsbereich der Kurzzeitpflege der Raphaelsklinik Mensch-ärgere-dich-nicht.
Ilona Muddemann (li.) spielt mit Sariaka Rakotondratsimba im Aufenthaltsbereich der Kurzzeitpflege der Raphaelsklinik Mensch-ärgere-dich-nicht.
Ilona Muddemann (li.) spielt mit Sariaka Rakotondratsimba im Aufenthaltsbereich der Kurzzeitpflege der Raphaelsklinik Mensch-ärgere-dich-nicht.

Sari aus Madagaskar

[18.10.2012]

Ein Gassenhauer aus Pfadfinderzeiten, ein witziger Animationsfilm oder leckere Vanille, das dürften die meisten Menschen mit der viertgrößten Insel der Welt in Verbindung bringen: Madagaskar. Was nach tropischem Paradies klingt, ist alles andere als idyllisch „In meiner Heimat werden Menschen überfallen und ermordet, bloß um Geld oder Fotoapparate zu stehlen“, berichtet Sariaka Rakotondratsimba. Kein Wunder also, dass sich ihr Heimweh in Grenzen hält.
Die sympathische 22-Jährige mit dem komplizierten Namen absolviert gerade ein freiwilliges soziales Jahr auf der Kurzzeitpflegestation der Raphaelsklinik. „Ich wollte eigentlich in Madagaskar Medizin studieren aber dort herrscht Korruption, andere haben sich ihre guten Schulnoten erkauft, daher habe ich keinen Studienplatz bekommen“, berichtet Sari, wie ihre Freunde und Kollegen sie einfachheitshalber nennen. Daraufhin begann sie, Sprachen zu studieren. Eines Tages bot ein Aushang an der Uni die Chance, als Au-Pair nach Deutschland zu reisen. Sari ergriff die Gelegenheit und wurde an eine Familie im friesischen Jever vermittelt, schnell lernte sie mit Büchern und Computerprogrammen Deutsch. Irgendwann lernte sie einen netten jungen Mann kennen, einen Medizininformatiker aus Münster. Mann und Stadt schloss sie schnell in ihr Herz. Daher bewarb sie sich per E-Mail bei der münsterschen Raphaelsklinik um ein freiwilliges soziales Jahr (FSJ).

„Das FSJ ist streng durchorganisiert“, erläutert die stellvertretende Pflegedirektorin der Raphaelsklinik, Klaudia Oehlmann und fährt fort: „Die sozialen Qualifikationen sollen geschult und der Einstieg ins Berufsleben vorbereitet werden. Die FSJ-ler hospitieren vor ihrem Einsatz auf der Station, sie sollen im Team Fuß fassen.“ Jeden Samstag telefoniert Sariaka Rakotondratsimba mit ihrer Mutter die froh ist, dass ihre Tochter im sicheren Deutschland lebt. In Madagaskar gibt es ausgeprägte ethnische Unterschiede, die Herkunft und die Hautfarbe entscheiden über den sozialen Status. „Die Situation ist sehr traurig, medizinische Behandlung gibt es nur gegen Geld und die Pflege ist sehr schlecht“, erklärt die junge Frau und fährt fort „in Deutschland haben mir sehr viele Menschen geholfen, jetzt kann ich bei meiner Arbeit anderen helfen!“

„Die Bewohner der Kurzzeitpflegeeinrichtung mögen Sari und behandeln sie wie eine Tochter“, berichtet die stellvertretende Leitung Natalya Salamatov. Selbst das deutsche Essen, normalerweise nicht gerade das Aushängeschild unseres Landes, liebt Sari, vor allem Rotkohl und Klöße, „nur nicht Pizza mit Schinken und Annanas“, lacht sie.