Dr. Susanne Schmidt und Elisabeth Buddenberg von der Raphaelsklinik sowie Prof. Dr. Ralf Scherer und Martina Rettig vom Clemenshospital (v. l.) während der Feierstunde.
Feierstunde in der Rüstkammer des historischen Rathauses.
Feierstunde in der Rüstkammer des historischen Rathauses.

Sechs auf einen Streich

[12.11.2012]

„Wer künftig den Anspruch hat, ohne Schmerzen im Krankenhaus zu liegen, kommt an Münster nicht mehr vorbei. Denn weltweit ist die Westfalenmetropole die erste Stadt, in der alle Krankenhäuser mit dem Siegel ‚Qualifizierte Schmerztherapie‘ ausgezeichnet wurden.“ Münsters Oberbürgermeister Markus Lewe blickt stolz in die Runde der Krankenhausvertreter, die sich zur feierlichen Verleihung des Siegels „Qualifizierte Schmerztherapie“ eingefunden haben.

Nach dem bereits im Jahr 2006 zertifizierten Universitätsklinikum konnte im Rahmen des Aktionsbündnisses Schmerzfreie Stadt Münster in allen weiteren Kliniken das Schmerzmanagement optimiert werden. Vorausgegangen war ein fast zweijähriger Prozess, bei dem über 2600 Befragungen bei Patienten und Mitarbeitern durchgeführt wurden. Verliehen wird die Auszeichnung von der Gesellschaft für Qualifizierte Schmerztherapie-Certkom e.V., in dem sich zwei medizinische Fachgesellschaften sowie der Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK) gemeinsam um qualifizierte Schmerztherapie bemühen. Der Leiter des Aktionsbündnisses Schmerzfreie Stadt Münster, Prof. Jürgen Osterbrink, beleuchtet die Dimension dieser Komplettabdeckung. „Münsters Gesundheitssystem hat hier wirklich Pionierarbeit geleistet.“ Denn derzeit seien deutschlandweit bisher 76 Kliniken mit dem Siegel „Qualifizierte Schmerztherapie“ ausgezeichnet. „Da ist bei über 2000 Krankenhäusern bundesweit noch viel Luft nach oben“, so der Projektleiter.

Teilgenommen an dem Mammutprojekt, in dessen Verlauf fast 2200 Zeitstunden von Studienassistenten geleistet wurden, haben das Herz-Jesu-Krankenhaus, das St. Franziskus-Hospital, das Clemenshospital, die Raphaelsklinik, das Evangelische Krankenhaus Johannisstift und die Fachklinik Hornheide. „Wenngleich die teilnehmenden Häuser schon zu Beginn des Projektes ein recht gutes Schmerzmanagement hatten, konnte doch vieles noch deutlich verbessert werden“, zieht Projektmitarbeiterin Nadja Nestler Bilanz. Beispielsweise könne nun auch bei dementen, verwirrten oder wachkomatösen Patienten Schmerz viel besser eingeschätzt werden. Auch das Timing habe sich enorm verbessert: „Es gibt jetzt genaue Schemata und Verfahrensanweisungen für die Mitarbeiter, die im Endeffekt dazu führen, dass kein Patient länger als 30 Minuten auf eine adäquate Schmerztherapie warten muss“, so Nestler, die als Projekt-Koordinatorin und Expertin für den Bereich Krankenhaus alle Kliniken intensiv während des Prozesses begleitet hat.

„Die Auszeichnung aller beteiligten Kliniken in Münster stellt auch für uns einen besonderen Höhepunkt im Projekt dar“, resümiert Osterbrink. „Was wir hier erstmals für eine ganze Kommune leisten durften, kann Modellcharakter für andere Städte haben. Erstmals sei es gelungen, die Kernbeteiligten aus dem komplexen Organismus der Gesundheitsversorgung von rund 290.000 Menschen mit ins Boot zu holen. „Gemeinsam wurde nicht nur der Ist-Zustand aufgezeigt, sondern auch dafür gesorgt, dass die Versorgungsstrukturen künftig noch besser werden.“ „Die Welt der Schmerzexperten blickt auf Münster“, dankt er Oberbürgermeister Markus Lewe stellvertretend für das Engagement der ganzen Stadt. Das Projekt wird auch im kommenden Jahr weiter geführt. Es seien noch viele spannende Ergebnisse zu erwarten, so Projektleiter Osterbrink. Erst Ende 2013 werde mit dem Abschluss gerechnet.

Text: Medienhaus Münster GmbH