Psychoonkologinnen beim Treffen in der Raphaelsklinik (v. l.): Cornelia Borchard (Clemenshospital und Raphaelsklinik Münster), Martina Meier-Reinders und Simone Schrunz (Katharinen-Hospital Unna) und Heidrun Lindken (St. Vincenz-Hospital Paderborn).

„Sie sind mit Ihren Problemen nicht allein!“

[26.07.2012]

Viel Kraft und Mühe hat es gekostet, die Sucht zu überwinden. Doch dann kam die Krebs-Diagnose und mit ihr die Versuchung, wieder Trost im Alkohol zu suchen. Solche vielschichtigen Schicksale sind es, die Cornelia Borchard auf den Plan rufen. Sie ist Psychoonkologin in den auf die Behandlung krebserkrankter Patienten spezialisierten Zentren von Clemenshospital und Raphaelsklinik. „Die Diagnose ‚Krebs’ löst bei den Betroffenen eine Auseinandersetzung mit der Tatsache aus, dass das eigene Leben bedroht ist“ erläutert Borchard. Hier ist die Psychoonkologin gefordert, den „Schock abzufedern“, wie sie sagt, „Ich versuche den Patienten zu vermitteln, dass sie da nicht alleine durchmüssen, es gibt Hilfen!“

Der allgegenwärtige Zeitdruck im Krankenhausalltag lässt Ärzten und Pflegenden oft viel zu wenig Zeit, um auf die speziellen Bedürfnisse krebserkrankter Patienten einzugehen. „Ich versuche, einen guten Rahmen für das Gespräch zu schaffen, nehme mir Zeit. Meist reicht eine halbe Stunde schon aus, um das Gefühl zu vermitteln, dass jemand da ist, der einem weiterhilft“ sagt die Diplom-Psychologin. Krebszentren, die von der Deutschen Krebsgesellschaft zertifiziert werden wollen, müssen eine Psychoonkologin vorweisen können. Clemenshospital und Raphaelsklinik haben zusammen sechs solcher Zentren für Krebserkrankungen an Brust, Darm, Lunge, Bauchspeicheldrüse oder Schilddrüse. Der Umgang mit der Krebserkrankung ist bei jedem Menschen anders, „Besonders belastend ist die Diagnose für jüngere Patienten, außerdem lassen sich Frauen eher auf eine emotionale Verarbeitung ein und nehmen Hilfen eher an als Männer“ berichtet Cornelia Borchard.

Drei Mal pro Jahr treffen sich die Psychoonkologinnen aus den Krankenhäusern Nordrhein-Westfalens zum Gedankenaustausch. „Es geht bei den Treffen zunächst darum, den aktuellen Stand in den einzelnen Häusern zu ermitteln. Dann wollen wir Standards entwickeln, die unsere Arbeit in den Krankenhäusern stärker etabliert“, erläutert Borchard. In den Kliniken sei die psychoonkologische Versorgung schon recht gut, sagt die Diplom-Psychologin, Problem gäbe es noch im ambulanten Sektor: „Krebspatienten müssen oft ihre Termine verschieben, wenn es ihnen zum Beispiel schlechter geht oder eine Chemotherapie durchgeführt werden muss“, das ist für die Praxen unattraktiv.

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