Ludger Börger (m.) hat nach dem spektakulären Eingriff von Prof. Dr. Dr. Matthias Hoffmann (r.) wieder neue Hoffnung. Manfred Pützler (l.) erstellte die CT-Aufnahmen für die OP-Planung.

In-situ-split Leberresektion bringt neue Hoffnung bei Lebermetastasen

[25.06.2013]

Manchmal ist es der Zufall, der über das Schicksal eines Menschen entscheidet, bei Ludger Börger war es die Fernsehleidenschaft einer aufmerksamen Nachbarin. Diese verfolgte einen Beitrag über eine neue Operationsmethode bei Lebermetastasen, vorgenommen im Universitätsklinikum Regensburg. Sie wusste, dass ihr Nachbar nach einer Darmkrebsoperation ebenfalls Metastasen in der Leber hatte, von denen die Ärzte sagten, dass eine Operation nicht mehr möglich sei, auch die Chemotherapien zeigten nicht die erhoffte Wirkung.

So brachte sie Börger die Aufzeichnung des Fernsehbeitrags und der wandte sich an die Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie der Raphaelsklinik. Deren Chefarzt, Prof. Dr. Dr. Matthias Hoffmann, kannte sowohl den Kollegen in Regensburg als auch die ungewöhnliche Operationsmethode. Sein Chefarztkollege von der Klinik für Radiologie der Raphaelsklinik, Manfred Pützler, erstellte detaillierte CT-Aufnahmen, auf deren Grundlage der Eingriff gründlich geplant wurde.

Während des ersten Eingriffs wurden fünf Lebermetastasen im linken Leberlappen entfernt, dann teilte Hoffmann den stark befallenen rechten Leberlappen soweit ab, dass nur noch einige Gefäße und der Gallengang erhalten blieben. „In-situ-Split Leberresektion“  nennt sich diese Technik, die erst im vergangenen Jahr in der Fachliteratur erstmals beschrieben wurde. Durch den Wegfall des abgetrennten Leberanteils erhielt die verbliebene Leber einen ausgeprägten Wachstumsschub, „innerhalb von acht Tagen hat sich der Leberanteil fast verdoppelt“ berichtet Hoffmann noch immer beeindruckt von dieser Fähigkeit zur Regeneration, die sonst kein anderes Organ aufweist. Während einer weiteren OP, die rund zwei Wochen später stattfand, wurde dann der abgetrennte Organanteil mitsamt der Metastasen entfernt, die nachgewachsene Leber war nun groß genug, um alleine die Arbeit zu übernehmen.

Ludger Börger ist nun metastasenfrei und kann mit neuer Hoffnung in die Zukunft sehen. Am liebsten würde er direkt wieder auf seinem Hof in Gescher anpacken, diese Hoffnung müssen seine Ärzte in der Raphaelsklinik allerdings etwas bremsen, erst geht’s in die Reha. „Diese Operationsmethode ist sicher die größte Innovation im Bereich der Leberchirurgie der letzten Jahre. Allerdings ist sie leider nicht für jeden Patienten geeignet“, entgegnet Hoffmann allzu euphorischen Hoffnungen, „es müssen bei dem Betroffenen ganz bestimmte Voraussetzungen vorliegen, die im Vorfeld genau überprüft werden müssen.“