Spritze ade!

[29.08.2008]

Wer bekommt schon gerne eine Spritze? Vermutlich niemand. Doch so unbeliebt die Qual mit der Nadel auch sein mag, manchmal ist sie einfach unumgänglich. So ist es notwendig, dass einem Patienten nach größeren Operationen täglich und das über mehrere Wochen hinweg Spritzen mit gerinnungshemmenden Mitteln verabreicht werden.

„Thromboseprophylaxe muss sein“, das steht für Dr. Bernhard Egen, Oberarzt der Unfall- und orthopädischen Chirurgie der Raphaelsklinik Münster außer Frage. Gegen den lebensgefährlichen Verschluss eines venösen Gefäßes half bisher nur der Stich in die Bauchdecke.
Doch nun ist eine Alternativmöglichkeit auf dem Markt. Statt der unangenehmen Spritze gibt es jetzt eine Tablette. Nicht nur die Patienten, auch Egen und Dr. Norbert Gödde, leitender Oberarzt der Anästhesie sind begeistert, auch wenn die neuen Substanzen bisher ausschließlich bei Operationen im Bereich der Endoprothetik (Gelenkersatz) verwendet werden dürfen.
Die Pillen haben gleich mehrere Vorteile. Oftmals setzen die Patienten die Heparinbehandlung nach dem Krankenhausaufenthalt ab, da es ihnen schwer fällt sich selber eine Spritze zu geben. Das Thromboserisiko steigt und die Folgen sind oft verheerend. Durch den Gefäßverschluss ist der Blutabfluss nicht mehr gewährleistet und es kommt zu Schwellungen und Schmerzen der betroffenen Extremität. Auch offene Geschwüre sind die Folge langfristiger Durchblutungsstörungen.

Schlimmer noch ist die gefürchtete Lungenembolie – das Blutgerinnsel löst sich, wandert durch den Körper und setzt sich in den Blutgefäßen der Lunge fest. Die Zahl der geschätzten Todesfälle durch Lungenembolien in der gesamten EU schätzt man auf mehr als 500.000.  „Es gibt auch verschleppte Thrombosen, die den Betroffenen erst Jahre später das Leben schwer machen“ warnt Egen.

Doch nicht nur die Art der Einnahme ist von Vorteil, auch der Effekt der neuen Substanz ist besser. „Untersuchungen an bisher 50.000 Patienten haben gezeigt, dass die Tabletten nicht nur hinsichtlich ihrer Wirksamkeit gleichwertig zu den gespritzten Medikamenten sind. Sie senken das Risiko von Thrombosen und Embolien noch stärker als die herkömmliche Methode.“
So ist es selbstverständlich, dass für die Unfallchirurgen feststeht: „Wir werden in jedem Fall, der es möglich macht, dieses Verfahren einsetzen.

Julia Ehrich