Volle Reihen und aufmerksame Zuhörer beim Vortrag von Dr. Frank Fischer
Stomatherapeut Olaf Hagedorn (l.) und Chefarzt Prof. Dr. Dr. Matthias Hoffmann informieren über das Leben mit einem Stoma
Elfriede Korn von der Selbsthilfegruppe ILCO sowie Olaf Hagedorn, Prof. Dr. Dr. Matthias Hoffmann, Dr. Frank Fischer und Andreas Mönnig von der Raphaelsklinik (v. l.) haben den Stomatag organisiert.
Das Känguru ist aus naheliegenden Gründen das Maskottchen der ILCO
Gesundes Essen ist ein wichtiger Bestandteil des Lebens mit einem Stoma
Der leitende Oberarzt Dr. Frank Fischer ist Koordinator des Darmkrebszentrums
Willi Nordhoff informiert über die ILCO

Stoma - Leben mit einem künstlichen Blasen- oder Darmausgang

[01.02.2012]

100.000 Menschen leben in Deutschland zeitweise oder dauerhaft mit einem künstlichen Darm- oder Blasenausgang, einem sogenannten Stoma. Rund 100 von ihnen trafen sich am Samstag im Foyer der Raphaelsklinik beim „Infotag Stoma“, der vom Darmkrebszentrum des Innenstadtkrankenhauses organisiert wurde. Trotz der beeindruckenden Zahl Betroffener scheuen viele den offenen Umgang mit diesem Thema. „Es dauert eine ganze Weile, bis man sein Bild im Spiegel akzeptiert“, bestätigte Elfriede Korn von der Selbsthilfegruppe ILCO, deren Regionalleiter Willi Nordhoff den Aufgabenbereich des Vereins in seinem Vortrag darstellte. Der Stomatherapeut der Raphaelsklinik, Olaf Hagedorn, kennt aus seiner Praxis sogar einen Fall, bei dem ein Betroffener selbst seiner Ehefrau gegenüber den künstlichen Darmausgang seit Jahren erfolgreich verheimlicht.

„Es hat sich in den vergangenen 20 Jahren unglaublich viel getan“, berichtete der Chefarzt und Leiter des Darmkrebszentrums Raphaelsklinik, Prof. Dr. Dr. Matthias Hoffmann, und fügte hinzu: „Früher war es eine Katastrophe, ein Stoma zu haben. Die Materialien waren wesentlich schlechter. Heute sind die Hilfsmittel und die Versorgungsstrukturen in Deutschland hervorragend!“ Zwischen 60 und 120 Operationen zur Anlage eines künstlichen Darmausgangs werden pro Jahr in der Abteilung des Chirurgen durchgeführt.

Neben den medizinischen und pflegerischen Vorträgen konnten sich die Zuhörer auch von Experten des Sozialdienstes über sozialrechtliche Unterstützungsmöglichkeiten und von der Psychoonkologin des Darmkrebszentrums, Cornelia Borchard, über die psychologischen Aspekte des Lebens mit einem künstlichen Darm- oder Blasenausgang informieren lassen: „Nach etwa einem Jahr hat sich die psychische Situation bei den meisten Menschen stabilisiert, das zeigen viele Studien“, beruhigte sie die Zuhörer, deren Operation noch nicht lange zurückliegt. Am Rande der Veranstaltung nutzten viele Besucher die Gelegenheit zum persönlichen Gespräch mit den Experten.