Krankenhausoberin Sr. Reginfrieda, Chefarzt PD Dr. Ulrich Peitz, Asfaw Fekensa, Chefarzt Manfred Pützler, Chefarzt Prof. Dr. Dr. Matthias Hoffmann, Verwaltungsdirektor Andreas Mönnig sowie Dr. Ursula Wahle und Dr. Ulrich Sommer von Etiopia-Witten e. V. (v. l.)
Asfaw Fekensa berichtet von seiner Arbeit in Äthiopien
Während der Pressekonferenz

Team des Pankreaszentrums rettet äthiopischen Arzt

[22.12.2011]

Asfaw Fekensa ist Gynäkologe in einem kleinen Krankenhaus in Debre Zeyit, rund 45 km südöstlich der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba. Er spricht ruhig, wählt seine Worte mit Bedacht. Doch als er davon berichtet, wie ihm bewusst wurde, dass er vermutlich bald sterben müsse, treten ihm Tränen in die Augen. Fekensa litt an einem Insulinom, einem seltenen Tumor der Bauchspeicheldrüse, der zwar meist gutartig ist, jedoch laufend Unmengen des Hormons Insulin produziert.

Die Folge ist eine starke Unterzuckerung, die Betroffenen müssen ständig essen, um nicht ins Koma zu fallen und zu sterben. Fekensa ließ sich nachts alle drei Stunden wecken, um zuckerhaltige Getränke zu sich zu nehmen, ansonsten hätte er den Morgen wohl nicht mehr erlebt. Da der Tumor wächst und somit auch die ausgeschüttete Insulinmenge fortlaufend ansteigt, ist der Tod durch Unterzuckerung bei Insulinom-Patienten meist unausweichlich. Nur die Operation durch den Spezialisten kann den Betroffenen retten, einen solchen gibt es jedoch in ganz Äthiopien nicht. Fekensa fand heraus, dass eine Operation in Indien oder Thailand durchgeführt werden könnte, doch dafür fehlte ihm das Geld. Er war verzweifelt, zumal er als einziger Gynäkologe für über 600.000 Frauen im Umkreis von Debre Zeyit oftmals die letzte Hoffnung ist, wenn zum Beispiel ein Kaiserschnitt durchgeführt werden muss. Tausenden seiner Patientinnen hat er auf diese Weise als Mediziner schon vor dem Tode bewahrt, ebenso viele Kinder verdanken ihm ihr Leben.

Durch Zufall erfuhr die Organisation Etiopia Witten e. V. vom Schicksal des Arztes und begann zu recherchieren, wer in Deutschland für eine Operation des Insulinoms infrage käme. Schnell war klar, dass das Pankreaszentrum Münster an der Raphaelsklinik die beste Adresse für den Eingriff ist. Das Zentrum ist eines von nur drei Zentren in ganz NRW, die bislang von der Deutschen Krebsgesellschaft zertifiziert wurden. Dann ging alles ganz schnell, die Klinikleitung sagte spontan die kostenlose Behandlung Fekensas zu, der Verein übernahm den Transport und die Unterbringung nach dem Krankenhausaufenthalt. „Fekensa ist ein Musterpatient, schon auf der Intensivstation hat er zum ersten Mal das Bett verlassen und ist umhergegangen“ berichtet der Chefarzt der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie und Leiter des Pankreaszentrums, Prof. Dr. Dr. Hoffmann.

Kaum eine Woche nach dem Eingriff, bei dem neben dem Tumor noch Teile der Bauchspeicheldrüse, des Zwölffingerdarms, des Gallengangs, des Magens und die komplette Gallenblase entfernt wurden (eine so genannte Whipple-Operation), sind die Gedanken Fekensas bereits wieder bei seinem Krankenhaus und seinen Patientinnen, die im über fünfeinhalb Tausend Kilometer entfernten Debre Zeyit auf die Rückkehr des Arztes warten. „Wir haben viele medizinische Geräte als Spenden aus Deutschland erhalten“, berichtet der Mediziner und fährt fort: „Es ist kaum zu glauben, das zum Beispiel ein Ultraschallgerät, das in meiner Heimat Leben rettet, in Deutschland als veraltet auf den Müll gegangen wäre!“ Eindringlich bittet er darum, solche Apparaturen nach Äthiopien zu schicken, bevor sie bei uns verschrottet werden.

Wer Mediziner wie Asfaw Fekensa und die Arbeit die Arbeit des Vereins Etiopia Witten unterstützen möchte, findet viele Informationen und Kontaktmöglichkeiten auf der Internetseite www.etiopia-witten.de, die Arbeit des Pankreaszentrums Münster wird auf der Seite www.pankreaszentrum-muenster.de vorgestellt.