Video-Endoskope sorgen für mehr Durchblick

[25.04.2007]

Wer im Kaufhaus vor den aufgereihten Fernsehern steht und das gestochen scharfe Bild der modernen Geräte mit dem des alten Schätzchens im heimischen Wohnzimmer vergleicht, kommt schnell ins Staunen: High Definition Television (HDTV) nennt sich die Technik des hochauflösenden Fernsehens, das dem Betrachter wesentlich schärfere Details bietet als das klassische Fernsehbild.

Diese Technik in Verbindung mit Endoskopen der neuesten Generation liefern in der Raphaelsklinik als erstem Krankenhaus Münsters neben der Uniklinik Bilder von nie zuvor gesehener Schärfe aus dem Inneren des menschlichen Körpers. „Mit den neuen Video-Endoskopen sind wir in der Lage, einen Krebstumor in der Darmschleimhaut zu erkennen, der nur wenige Millimeter groß ist.“ erläutert der Chefarzt der Abteilung für Gastroenterologie, Priv.-Doz. Dr. Ulrich Peitz.
Mit der neuen Technik ist er sogar in der Lage, Frühformen und Vorstufen des Darmkrebses zu erkennen, bevor diese für den Patienten gefährlich werden können. Voraussetzung dafür ist allerdings auch die konsequente Nutzung der Vorsorgeprogramme durch die Bevölkerung. Die Kombination aus regelmäßigen Untersuchungen und der neuen Technik liefert wertvolle Zeit im Kampf gegen die bösartige Erkrankung. Zeit, die über Leben und Tod entscheiden kann.
Das „Handwerkszeug“ des Chefarztes ist das Video-Endoskop, ein biegsamer Schlauch, den der Patient entweder schluckt oder der ihm in den Darm eingeführt wird. An der Vorderseite befindet sich bei den neuen Geräten in seiner Abteilung eine winzige Digitalkamera mit einer Linse, die bis auf 3 Millimeter an die verdächtige Stelle herangeführt werden kann. Wenn Peitz den Schlauch durch den Darm oder die Speiseröhre des Patienten lenkt, erscheinen auf dem Monitor Blutgefäße und feine Strukturen der Schleimhaut wie auf einer detaillierten Landkarte. Auf dieser „Landkarte“ findet sich der Mediziner problemlos zurecht: bevor er im September 2006 als Chefarzt an die Raphaelsklinik kam, war er als leitender Oberarzt an der Magdeburger Uniklinik, wo er sich als Fachmann für Endoskopie im Magen-Darm-Trakt einen Namen machte. Unterstützt wird die Erfahrung des Mediziners durch den Computer, der speziell die blauen Farben des Bildes hervorhebt, mit den „echten“ Farben mischt und auf diese Weise feine Blutgefäße und Gewebeveränderungen deutlicher erkennen lässt. „Narrow band imaging“ nennt sich dieses Verfahren. Sollte ein Tumor entdeckt worden sein, kann er im frühen Stadium durch das Endoskop entfernt werden, die riskante Operation wird so vermieden. Wie tief ein Tumor in das Gewebe eingedrungen ist, kann Peitz mit dem ebenfalls neu angeschafften Endoskopie-Ultraschallgerät herausfinden.
„Ziel sollte es sein, dass mindestens die Hälfte aller Tumoren in Speiseröhre, Magen und Darm in einem frühen Stadium gefunden und behandelt werden.“ wünscht sich Peitz. Dass ein solches Ziel realistisch ist, zeigen Studien aus Deutschland und Japan. Doch ohne die Bereitschaft der Bevölkerung, regelmäßig zur kostenlosen Vorsorgeuntersuchung zu gehen, ist auch der Fachmann in der Raphaelsklinik mit seinen neuen Video-Endoskopen machtlos.

(Michael Bührke)