Vorbildliches Rooming-In auf der Entbindungsstation

[05.05.2003]

Rooming-in bedeutet die gemeinsame Unterbringung von Mutter und Kind im selben Zimmer der Entbindungsstation des Krankenhauses. Wurden Mütter und Babys noch vor wenigen Jahren mitunter durch Etagen getrennt untergebracht, ist das Rooming-in Verfahren heute in nahezu jedem Krankenhaus mehr oder weniger konsequent umgesetzt. Dass dies so ist, liegt nicht zuletzt an der Osnabrücker Professorin Doris Schiemann (Foto), die durch ihre Forschungsarbeit den Gedanken des Rooming-in in Deutschland populär machte. Um ihren Studierenden die Erfahrungen mit diesem Konzept am praktischen Beispiel zu demonstrieren, besuchte sie mit dem sechsten Semester des Studiengangs Krankenpflegemanagement der Fachhochschule Osnabrück die geburtshilfliche Station der Raphaelsklinik.

"Die Raphaelsklinik ist weit und breit einzigartig bei der konsequenten Umsetzung des Konzeptes Rooming-in" erläutert Schiemann ihre Entscheidung bis nach Münster zu reisen, um mit Kinderkrankenschwestern und Hebammen über die Vor- und Nachteile dieses Verfahrens zu diskutieren.

"Das klassische Kinderzimmer ist überholt" erläutert die Hebamme Andrea Horstmeier den Besuchern. Das Kind ist ab der ersten Minute bei der Mutter, damit sich die wichtige Beziehung zwischen Mutter und Kind ungestört entwickeln kann. Zu jeder Zeit ist geschultes Personal in der Nähe, um bei eventuellen Startschwierigkeiten in dieser engen Beziehung beratend zur Seite zu stehen. "Wir betrachten Mutter und Kind als Einheit" fügt die erfahrene Hebamme hinzu, dadurch kann auf die speziellen Bedürfnisse und Zeitabläufe der jungen Familie spontan reagiert werden. "Das erfordert auch vom Personal ein hohes Maß an Flexibilität. Wir bringen den Müttern zum Beispiel das Frühstück erst dann, wenn es in den Ablauf von Mutter und Kind passt und nicht, wenn es der Stationsablauf vorschreibt." schildert die Stationsleitung Marion Strietholt ein Beispiel aus der Praxis. Sollte die Mutter nach der anstrengenden Entbindung doch mal etwas Ruhe brauchen, besteht weiterhin die Möglichkeit, das Kind vorübergehend in die Obhut der geschulten Kinderkrankenschwestern zu übergeben.

"Ein Angebot, von dem die Mütter hin und wieder Gebrauch machen. Die Regel ist dies aber nicht" weiß Strietholt aus der Praxis zu berichten. Kinderkrankenschwestern und Hebammen arbeiten nach dem Prinzip der integrativen Wochenbettpflege eng zusammen und betreuen die Eltern gemeinsam. Dies bewirkt einen besseren Überblick aller Beteiligten und steigert somit das Wohlbefinden und die Zufriedenheit der jungen Mütter. Dank der neuen Hebammensprechstunde in der Raphaelsklinik stehen der jungen Familie auch lange nach der Entlassung kompetente Ansprechpartnerinnen mit Rat und Tat zur Seite.

Informationen zur Entbindung in der Raphaelsklinik gibt es auf unserer Homepage, telefonisch unter (0251) 5007-2400 oder bei den Kreißsaalführungen an jedem ersten Mittwoch im Monat um 19:30 Uhr, Treffpunkt ist an der Pforte, eine Anmeldung ist nicht notwendig.