Wanderer zwischen den Welten!

[10.03.2008]

Tugsal Mogul begleitet am laufenden Band Menschen ins Reich der Träume, und das nicht nur als Anästhesist in der Raphaelsklinik. Der 38-jährige Mediziner mit der halben Stelle in Münsters Innenstadtklinik ist im „zweiten Leben“ Schauspieler. Diplom-Schauspieler sogar mit einem Abschluss an der renommierten hannoverschen Hochschule für Musik und Theater. Wenn er nicht gerade im OP-Saal routiniert die Narkose seiner Patienten überwacht, agiert er auf den Bühnen von Bonn, Erlangen, Hannover oder Berlin. Häufig steht Mogul auch vor der Kamera, zuletzt an der Seite der schrulligen Nonnen in der Serie „Um Himmels Willen“.

Geboren wurde der Sohn türkischer Einwanderer in Neubeckum, einem 11.000-Seelenort, 35 Kilometer südöstlich von Münster. Bereits während der Schulzeit hat Mogul in der Theatergruppe Filou gespielt. Nach dem Abitur ging’s zum Medizinstudium nach Lübeck. Doch die Schauspielerei ließ ihn nie los, nach dem Physikum startete er parallel das Schauspielstudium in Hannover.

Seitdem ist Mogul ein Wanderer zwischen den Welten. Mit einer halben Stelle ist er der engagierte Anästhesist in der Raphaelsklinik, die andere Hälfte seines Lebens gehört der Schauspielkunst. Arbeitsfreie Tage, bezahlter und unbezahlter Urlaub, praktisch jede freie Minute gehört seinem zweiten Beruf. Dabei hat er schon alles Mögliche gespielt, den Vater einer albanischen Flüchtlingsfamilie, einen zum Tode Verurteilten und auch mal einen Sanitäter, doch nie einen Arzt. Zu fremd ist den Machern der Fernsehserien oder Theaterproduktionen der Gedanke, die Rolle eines Arztes mit einem südländischen Charakter zu besetzen. Als Regisseur des Theaterstückes „Halbstarke Halbgötter“ hat Mogul seine beruflichen Erlebnisse als Arzt und seine Erfahrung als Schauspieler kombiniert und erfolgreich in Münsters Pumpenhaus auf die Bühne bebracht. Alle vier Vorstellungen waren bereits im Vorfeld nahezu ausverkauft. Zwei weitere Aufführungen fanden im Bochumer "prinz regent theater" statt.

Die vier Schauspieler, die collagenartige Einblicke in die Realität des Arztberufes darstellen, haben zuvor im OP und der Intensivstation der Raphaelsklinik hospitiert. Auf der Bühne wird das EKG der Darsteller während der Aufführung kabellos an einen Beamer übertragen, der die Herzkurven der Schauspieler auf eine große Leinwand wirft. Es geht Mogul zunächst nicht nur darum, die oftmals belastenden Arbeitsbedingungen in deutschen Krankenhäusern zu entlarven. Vielmehr möchte er Sympathien für seinen Beruf wecken und für ein realistischeres Bild des Arztberufes in der Öffentlichkeit sorgen, das seiner Meinung nach durch die zahlreichen Krankenhausserien verzerrt ist.

Schauspielerei und Medizin, dafür gibt es prominente Beispiele: Maria Furtwängler als spröde Tatortkommissarin Charlotte Lindholm oder die erfolgreiche Schauspielerin Christiane Paul („Die Welle“, „Im Juli“) sind ehemalige Ärztinnen, die ihren Medizinerberuf allerdings zu Gunsten der Schauspielkarriere an den Nagel gehängt haben. Plant auch Mogul den Abschied vom Krankenhaus? „Die Arbeit als Anästhesist macht mir viel Spaß, außerdem bin ich finanziell dadurch in der Lage, schlechte Rollenangebote ablehnen zu können“.

(Michael Bührke)